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Widmung an Engeltrud.
Immer habe ich Dich, o Jungfrau Angildruth(Engeltrud), von dem Feuer der göttlichen Liebe ent⸗ zuͤndet und von heiligem Eifer ganz erfüllt gefunden. Daher habe ich Deine Bitten nicht unerfüllt laſſen können. Du verlangteſt nämlich von mir, daß ich Dir die früheſten Schickſale und das fernere Leben des heiligen und ehrwürdigen Abtes Sturmi auseinanderſetzen und die älteſte Geſchichte des Kloſters vom hei⸗ ligen Erlöſer, welches von ihm gegründet und eingerichtet worden iſt und mit anderem Namen Fulda genannt wird, aufzeichnen, auch die ferneren Schickſale und Zuſtände dieſes Kloſters, wie ich ſie theils mit eigenen Augen geſehen, theils durch die Berichte Anderer kennen gelernt hätte, treu und aufrichtig mittheilen möchte. Ich habe nun, ſoweit es meine geringen Geiſtesgaben geſtatteten, Deinem Begehren entſprochen, und, wie mir von ganz zuverläſſigen Männern oder vielmehr von würdigen Gefäßen unſeres Heilandes? die erſten Schickſale und der Lebenswandel jenes heiligen Mannes ſowie die Gründungsgeſchichte des erwähnten Kloſters mitgetheilt wurde, ſo habe ich ſie nach meinem beſten Vermögen in dies Büchlein gebracht, auch die ſpäter in dieſen Begebenheiten eingetretenen Wechſelfälle, wie ſie der Lauf dieſer Welt unabläſſig herbeizu⸗ führen pflegt, nach meinen theils aus den Berichten jener Männer, theils aus eigener Beobachtung geſchöpf⸗ ten Erfahrungen, in gleicher Weiſe eingewebt. Denn ich, Eigil, habe mehr als zwanzig Jahre mit jenem heiligen Manne, als ſein Schüler, verkehrt und bin in eben dieſes Kloſters Zucht und Lehre von meiner Kindheit an bis zu meinem gegenwärtigen Alter unterwieſen und herangebildet worden. Darum habe ich denn Einiges von dem, was ich niedergeſchrieben, als Augenzeuge beſtätigen können. Ich überreiche Dir nun hier, was Du verlangteſt, ein Büchlein nämlich, welches Deinem Namen gewidmet, Deinem Schutze anvertraut iſt. Antworte Du den Schmähungen der Neidiſchen; führe Du zu meiner Vertheidigung an, daß ich mehr von gutem Willen als von Eitelkeit und Anmaßung erfüllt war; ſei Du endlich bei dem gött— lichen Heilande, Deinem wahren Bräutigame, meine Fürſprecherin durch Deine heiligen Gebete.
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Das Leben des h. Sturmius. (Fortſetzung. Pertz Mon. Germ. Hist. II, 372— 377 Cap. 15 bis 25.)
Der heilige Erzbiſchof Bonifacius wanderte im zehnten Jahre ſeit ſeiner Ankunft an dem heiligen Orte(Fulda), im Einverſtändniſſe mit dem Könige und den übrigen Chriſten, zu den entlegeneren Wohn⸗ ſitzen der Frieſen,“ wo noch das Heidenthum herrſchte, und gewann hier durch Lehre und Taufe eine unge⸗ heure Menge Menſchen für den Herrn. Nachdem er dort längere Zeit verweilt hatte, kehrte er wohlerhalten zu ſeinen Kirchen nach Deutſchland zurück. Im folgenden Jahre begab er ſich von neuem zu den waſſer⸗ reichen Fluren der Frieſen, von dem ſehnlichen Wunſche erfüllt, das begonnene Bekehrungswerk zu vollenden. Als er dort angekommen war und auf einen beſtimmten Tag das Volk zur Anhörung ſeiner Lehre zuſammen⸗ berufen hatte, kamen aus ihren Wohnſitzen auch Leute dahin, welche keineswegs die Abſicht hatten, das Wort Gottes in Demuth zu vernehmen, und, vom böſen Geiſte angetrieben, ſtürzten ſie mit feindlichen Waffen auf die der Verkündung des göttlichen Wortes geweihete Stätte, ermordeten den heiligen Oberprieſter Chriſti mit dem Schwerte und machten in gleicher Weiſe auch das ganze Gefolge desſelben nieder. Als nun der Biſchof und ſeine zahlreichen Begleiter die Märtyrerkrone empfangen hatten, kamen aus dem oberen Frieſen⸗ lande und zwar von dem Kloſter Trech(Utrecht) gläubige Brüder, nahmen die Leichname der heiligen


