36
Namen„Biſchofsberg“. Neben der Hütte erhob ſich bald eine kleine Kapelle, an deren Stelle der dritte Abt des Kloſters Fulda, Ratgar, eine größere Kirche erbaute, mit welcher er ein Chorherrnſtift verband. Dieſe Kirche wurde im J. 808 zu Ehren der h. Jungfrau geweiht und daher erhielt der Hügel ſeinen gegenwär⸗ tigen Namen„Frauenberg“. Hrabanus Maurus hat ſich um die Baſilica auf dem Frauenberge durch Aus⸗ ſchmückung derſelben ein beſonderes Verdienſt erworben. In der Mitte des 11. Jahrhunderts wurde durch Abt Ebbo das Chorherrnſtift in ein Benedictinerkloſter verwandelt und im 14. Jahrhundert erſcheint der Frauenberg auch mit Feſtungswerken umgeben, wie man aus ſeiner Bezeichnung als„Castrum montis gloriosae virginis Mariae prope Fuldam“ erkennt. Bei dem Bauernaufſtande vom J. 1525 wurde das Kloſter zerſtört und viele Jahre hindurch blieb der Frauenberg verödet, bis im 17. Jahrhundert endlich neue Gebäude auf demſelben errichtet wurden. Seit 1623 befindet ſich auf demſelben ein Franciscanerkloſter. Nordweſtlich an den Frauenberg ſchließt ſich der ſchon oben erwähnte Kalvarienberg, der mit jenem einen Zwillings⸗ kegel bildet. 4
21. Post unius septimanae impletionem, dirutis innumeris silvis et arboribus et rase ad calcem faciendam composita, episcopus benedictis fratribus et loco Domino commendato, cum operariis cum quibus venerat inde migravit. Zu dieſer Stelle macht Pertz(lI, 371) die Bemerkung:„rase, vox ger- manica, cespes“ und Seiters(Bonifacius, S. 466 Aum. 1) ſagt:„Das Wort rase, welches nur hier vor⸗ kommt, erklärt Brower und nach ihm Du Cange s. v. durch Raſen oder Torf; richtiger iſt dasſelbe ſchou bei Carpentier Glossar. Novum s. v. Rasa durch raze oder raise erklärt, welches ſo viel als„Grube“ be⸗ deutet.“ Die Bedeutung von Raſen(cespes) oder Torf paßt ſchlechterdings nicht in den Zuſammenhang unſerer Stelle und überdies kommt das Wort„Naſen“, welches übrigens ſchwerlich von„Gras“, ſondern wahrſcheinlich von dem althochdeutſchen waso(dasſelbe iſt in dem landſchaftlichen„Waſen“ noch vor⸗ handen) durch Verwandlung des win r entſtanden iſt, in der ganzen althochdeutſchen Sprachperiode nicht vor(in Graff's althochdentſchem Sprachſchatze wird man es vergeblich ſuchen, wohl aber für cespes das Wort waso finden) und gehört lediglich der neuhochdeutſchen Sprachperiode an. Mit der Erklärung durch„Grube“ iſt aber ebenſowenig anzufangen. Zu dem Begriffe„Grube“ paßt wol fodere oder ein ähnliches Verbum, nicht aber componere und überdies hat man zu beachten, daß Eigil ſagt: rase ad calcem faciendam composita. Die Kloſterbrüder hatten alſo den Kalk noch nicht, ſondern wollten denſelben erſt bereiten, und einer Grube konnten ſie ſich nur bedienen, um den bereiteten d h. gebrannten und gelöſchten Kalk für den Gebrauch aufzubewahren. Mir iſt es nicht im mindeſten zweifelhaft, daß an unſerer Stelle unter der„rase“ nichts Anderes zu verſtehen iſt, als was noch jetzt in vielen Gegenden Deutſchlands z. B. im Lüneburgiſchen landſchaftlich eine„Röſe“(Kalkröſe) genannt wird. Die Erbauer der Kirche hatten, wie man aus unſerer Stelle ſieht, noch keinen Kalk, ſie wollten erſt die Kalkſteine, den rohen Kalk, zu Kalk brennen oder glühen und zu dieſem Zwecke errichteten ſie eine Röſe d. h. einen mit Holz ſchichtweiſe vermiſchten Haufen Kalkſteine (zur Bezeichnung der verſchiedenen Beſtandtheile des Haufens iſt das Wort componere ganz angemeſſen) und nachdem ſo der Kalk gewonnen war, wurde derſelbe gelöſcht und für den Gebrauch in einer Kalkgrube aufbewahrt. Das von Eigil an dieſer Stelle uns erhaltene Wort„rase“ werden wir ohne Bedenken in der angegebenen Bedeutung in den althochdeutſchen Sprachſchatz aufnehmen können; mit ihm hängt das noch jetzt vorhandene landſchaftliche Wort„Röſe“ vielleicht durch einen ähnlichen Lautwechſel zuſammen, wie er z. B. in„darren“ oder„dörren“ erſcheint oder es könnte„rase“ auch in„rese“ umgelautet haben und dieſes in der Ausſprache in„Röſe“ ebenſo übergegangen ſein wie„lewe“ in„Löwe“,„leffel“ in„Löffel“,„zwell“ in„zwölf“,„ergetzen“ in„Ergötzen“ u. ſ. w. überging. Zugleich dürfte ſich hiedurch die Angabe der


