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14. Als Sturmius und ſeine beiden Gefährten bei der beabſichtigten Beſitznahme des aufgefundenen Ortes Widerſtand fanden, kehrten ſie nicht etwa nach Hersfeld oder nach Fritzlar zurück, ſondern nahmen an dem Orte Chrihlari einen vorläufigen Aufenthalt und warten hier ab, welchen Erfolg die von Bonifacius an Karlmann gerichtete Bitte haben würde. Der Ort Chrihlari wird außer an den vorliegenden beiden Stellen bei Eigil(cap. 11 u. 13 bei Pertz II, 370) von keinem Schriftſteller und in keiner Urkunde erwähnt, wodurch die Nachweiſung desſelben ſehr erſchwert wird. Ueberdies wird in den beiden erhaltenen Hand⸗ ſchriften Eigil'es der Name verſchieden angegeben. Der Bamberger Coder ſchreibt an der erſten Stelle Chrihlari, an der zweiten Dryhlar, der Heilbronner Coder an der erſten Stelle Tirihlari, an der zweiten Trihlar. Pertz, der aus dieſen verſchiedenen Formen die richtige Lesart entnommen zu haben glaubt, ſchreibt an der erſten Stelle Dirihlari, an der zweiten Dryhlar. Wo lag dieſer räthſelhafte Ort? In der Nähe von Fulda ohne Zweifel, worauf ſchon die Worte hinzuweiſen ſcheinen:„diverterunt inde et secesserunt in locum qui dicitur Chrihlari.“ Aber in der Nähe von Fulda gibt es keinen Ort, der einen ähnlichen Namen hätte. Wollte man vermuthen, daß an dieſem Orte ſpäter eine der vielen Zellen angelegt und ihm in Folge deſſen ein anderer Namen beigelegt worden ſei, ſo würde dieſer Vermuthung entgegenſtehen, daß in dieſem Falle doch wol der erſte Theil des Namens Chrihlari würde beibehalten worden ſein, ſich aber unter den vielen auf„zell“ endigenden Ortsnamen in der Umgegend von Fulda kein einziger findet, in deſſen Namen man einen Zuſammenhang mit dem Namen Chrihlari erkennen könnte. Da alle meine Nachforſchungen nach dieſem Orte erfolglos geweſen waren, blieb keine andere Annahme übrig, als daß jener Ort entweder ausgegangen ſein müſſe(daß er ein bewohnter Ort geweſen ſein muß, erkennt man aus der Endung lar oder lari, welche mansio, habitaculum bedeutet) oder daß vielleicht ſpäter eine Kirche an demſelben erbaut, der Name dieſer Kirche aber auch dem Orte beigelegt worden ſei und den früheren Namen desſelben verdrängt habe. Mit dieſer letzteren Annahme ſtimmt die Vermuthung Wenck's(lI, S. 287, Anm. p) überein, welcher es für wahrſcheinlich hält, daß der Ort„Chrihlari“ von dem flumen Girahlaha, an welches die Annal. Francorum Lambeciani ad a. 811 die„Ecclesiam S. Joann. Bapt. in Australi parte monasteri“ ſetzen, den Namen erhalten habe. Das Flüßchen Girahlaha iſt aber kein anderes als der Bach Gieſel, der bei Eigil Gysilaha genannt wird(der häufige Wechſel des r und s iſt bekannt) und wir würden alſo in dem Namen Girilari d. h. Wohnung an der Gieſel den urſprünglichen Namen des etwa eine halbe Stunde ſüdlich von Fulda an dem Gieſelbache gelegenen Dorfe Johannisberg zu erkennen haben. Hier wurde im J. 811 vom Abte Ratgar ein dem h. Johannes dem Täufer geweihtes Mönchskloſter gegründet, von welchem der Ort ſeinen gegenwärtigen Namen erhalten hat. Der Name Giralari oder Gisilari kommt auch dem Namen Chrihlari, wie er ſich an der erſten Stelle des Bamberger Codex findet, beſonders wenn man die Ausſprache berück⸗ ſichtigt, ſo nahe, daß man kaum anſtehen wird, jenen Namen, der ſich freilich als Ortsname nicht nachweiſen läßt, in dieſem zu erkennen. Daß der Name des Ortes in den beiden uns von Eigil's Werke erhaltenen Abſchriften, die einer ſo ſpäten Zeit angehören, ſo verſchieden geſchrieben wird, braucht uns von einem längſt verſchollenen und dem Gedächtniſſe der Menſchen gänzlich entſchwundenen Ortsnamen nicht zu wundern. Außerdem hat es aber auch viele Wahrſcheinlichkeit für ſich, daß Sturmius nach dem Orte ſich zurückgezogen habe, an welchem das jetzige Dorf Johannisberg liegt. Er wollte in der Nähe des aufgefundenen Ortes bleiben, um denſelben, ſobald die Genehmigung Karlsmann's eingetroffen ſein würde, ſogleich in Beſitz nehmen zu können; im Grabfelde durfte er ſich nicht aufhalten, weil ihn die Leute, welche ihn vertrieben hatten, dort nicht geduldet haben würden; daher ging er auf das linke Fuldaufer hinüber, wo er ſich in einem andern Gaue, der Wetterau, befand und nahm ſeinen vorläufigen Aufenthalt in dem Orte, den er ſchon früher, als


