Aufsatz 
Bemerkungen zu Eigil's Nachrichten über die Gründung und Urgeschichte des Klosters Fulda
Entstehung
Einzelbild herunterladen

30

des heil. Sturmius und viele Jahre hindurch deſſen Schüler war, der für ſein Werk ſo zuverläſſige Quellen und Zeugniſſe benutzte, in einem ſo groben Irrthume ſollte befangen geweſen ſein, für den Aufenthalt des h. Sturmius zu Hersfeld eine Zeit von neun Jahren anzunehmen, wenn dieſer Aufenthalt, wie doch auch Rettberg glaubt, nicht einmal ein Jahr dauerte? Doch daß Eigil unmöglich nono iam tune etc. geſchrieben haben kann, davon wird ſich Jeder vollſtändig überzeugen, welcher ſeine Nachrichten über die drei Reiſen Sturm's in den Buchenwald mit Aufmerkſamkeit und Unbefangenheit prüft. Aus dieſen Nachrichten erhellt aufs deutlichſte, daß jene Reiſen nur in dem der Gründung des Kloſters Fulda vorausgegangenen Jahre, mithin im J. 743, ſtattgefunden haben können. Die Genauigkeit in Zeitbeſtimmungen iſt gerade eine der hervorſtechendſten Eigenſchaften Eigil's; er ſagt uns, daß Sturm faſt drei Jahre Prieſter geweſen ſei, als er ſich in die Einſamkeit zurückzuziehen beſchloſſen(ſchon hieraus ergibt ſich, daß Lambert's Angabe noth⸗ wendig unrichtig ſein muß, da Sturm, wie ich oben Anm. 1 nachgewieſen habe, früheſtens 732, höchſt wahr⸗ ſcheinlich aber erſt um 734 nach Fritzlar gekommen iſt und er hier erſt einen umfaſſenden Unterricht erhielt, bevor er zum Prieſter geweiht wurde und nachdem er faſt drei Jahre als Prieſter gewirkt, jenen Entſchluß faßte); er ſagt uns ferner, daß Sturm auf ſeiner erſten Reiſe am dritten Tage nach Hersfeld gelangte(daß er hiertempus non modicum verweilte, wird man doch wol nur von mehreren Wochen, vielleicht auch einigen Monaten, nicht aber von mehreren Jahren verſtehen, da Eigil bei der ihm eigenthümlichen Genauig⸗ keit in Zeitbeſtimmungen es jedenfalls beſtimmt angegeben haben würde, wenn die frommen Einſiedler in ihren elenden Hütten Jahre lang dem Beten und Faſten obgelegen, wozu noch überdies kommt, daß Eigil gleich nachher die Rückkehr Sturm's zu Bonifacius mit den Worten einleitet:post aliquantum vero tem- poris und hier alſo die frühere Angabetempus non modicum durch eine andere erläutert, die man ſicherlich nicht auf mehrere Jahre wird deuten können); er ſagt dann ferner, Bonifacius habe ſeinen Eremiten kurze Zeit bei ſich behalten(secumque habitare ali quantisper imperavit; dieſer ſei auf ſeiner zweiten Reiſe, welche er in einem Kahne unternahm, am dritten Tage zur Lüdermündung gekommen und habe nur in dem Orte Nuohenbach ſich etwas(paulisper) aufgehalten, worauf er bald(post non longum tempus) in ſeiner ärmlichen Einſiedelei wieder angelangt ſei. Bonifacius läßt hierauf ſeinen Eremiten ſchleunig zu ſich entbieten(concite ad se venire); ſein Bote eilt zu demſelben in die Einöde(quo dum propere nuncius venisset); Sturm ſagt dem Boten, daß er ihm aufs ſchleunigſte nachfolgen werde(quod post te, quanto- cius potero, properabo) und ſchon am folgenden Tage eilt er zu Bonifacius(sequenti vero die statim profectus est arreptoque itinere ad Seleheim properavit). Als Sturm wieder zu ſeiner Einſiedelei gekommen war, verweilt er auch dort nicht lange(cumque parumper respirasset), ſondern beſteigt ſeinen Eſel und unternimmt die dritte Reiſe. Eines Tages trifft er die badenden Slaven, am vierten Tage nachher geht er an der Stelle vorbei, an welcher ſpäter das Kloſter erbaut wurde, trifft dann noch an demſelben Tage den Fremden aus der Wetterau und findet am folgenden Tage den erſehnten Platz. Am zweiten Tage gelangt er nun wieder nach Hersfeld, ſagt ſeinen beiden Gefährten, daß ſie ſich zur ſchleunigen Abreiſe bereit halten ſollen(eos illuc profecturos secum properare imperavit), eilt ſelbſt zu Bonifacius nach Seleheim(subito ipse ad Seleheim profectus est), erreicht denſelben ſchon nach wenigen Tagen(post dies paucos) und dieſer behält nur kurze Zeit ſeinen Eremiten bei ſich (retento parumper penes se solitario), welcher, während ſich der Biſchof zu Karlmann begab, zu ſeinen Gefährten nach Hersfeld zurückkehrte, um mit denſelben nach dem gefundenen Orte aufzubrechen. Und hier ſollte nun Eigil, aus deſſen vorausgegangenem Berichte aufs deutlichſte hervorgeht, daß die Reiſen Sturm's und ſein Aufenthalt in Hersfeld nur einen verhältnißmäßig geringen Zeitaufwand in Anſpruch nahmen, auf