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h. Sturmius, deſſen Beſchaffenheit darauf ſchließen läßt, daß derſelbe von ſehr kräftigem Körperbaue geweſen iſt. Wenn der Biſchofsſtab(pedum) des h. Bonifacius, der ſich ebenfalls in dem Domſchatze zu Fulda befindet, in einem Inventarium von 1715 als der Hirtenſtab des h. Sturmius bezeichnet wird, ſo liegt darin kein Widerſpruch mit der Tradition, welche ihn dem h. Bonifacius zuſchreibt, indem die Annahme ſehr nahe liegt, daß dieſer Stab zuerſt im Beſitze des h. Bonifacius geweſen und von dieſem auf den h. Sturmius übergegangen iſt.
Vorſtehende Erörterungen über den verdienſtvollen Gründer und erſten Abt des Kloſters Fulda, welche vorzugsweiſe die genaue oder, wo eine ſolche unmöglich iſt, wenigſtens annähernde chronologiſche Feſt⸗ ſtellung der einzelnen Lebensmomente manchen unrichtigen Angaben gegenüber zum Zwecke haben, will ich mit der Bemerkung ſchließen, daß der h. Sturmius, was wenigſtens nicht allgemein bekannt ſein dürfte, uns auch zwei kleine Schriften hinterlaſſen hat, welche ohne Zweifel durch ſeine Reiſe nach Italien veranlaßt worden ſind. Sie beziehen ſich auf die Einrichtung des Cultus und die Andachtsübungen in den Klöſtern und führen die Titel:„Ordo officii in domo seu Ecclesia Frisingensi ante Pascha“ und:„Antiquæ consue- iudines monasteriorum Ordinis S. Benedicti“ und ſind bekannt gemacht worden von Mabillon in Analectt. T. IV. p. 454 sq. und in: Vetus disciplina monastica(Paris 1726) pag. 4.(S. Bähr, Geſch. d. röm. Liter. 3 Suppl. Bd. S. 296).
2. Daß das Kloſter Fritzlar von Bonifacius nicht früher als 732(nach dem Empfange des erzbiſchöflichen Palliums) und jedenfalls nicht viel ſpäter als 732 gegründet wurde, erſieht man aus Willibald(Pertz lI, 345) und Othlon, I, 27 p. 44. Daß es, wie Wenck(Heſſiſche Landesgeſchichte II, 292) mit Mabillon annimmt, nicht vor 734 gegründet ſein könne, läßt ſich nicht beweiſen. Die Inſchriften der gegenwärtigen St. Peterskirche in Fritzlar:
S. Bonifacius Archiepiscopus Moguntinus Anno Domini DCCXIL hanc Basilicam exstruxit, gentem
Cattorum ad Christianam fidem convertit.
S. Wigbertus ex Anglica gente natus, ex miraculis clarus, Ecclesiæ primus Magister et Præpo-
situs exstilit. können, wenn ſie auch der älteſten Zeit nicht angehören, ſehr wohl auf einer alten Tradition beruhen und es iſt gerade kein Grund vorhanden, die Richtigkeit der Jahreszahl 740 anzufechten, da die St. Peterskirche, welche Bonifacius mit dem monasteriolum verband, in dem genannten Jahre in ihrem Baue vollendet und eingeweiht worden ſein kann, nachdem das Kloſter ſchon früher gegründet worden war. Erzbiſchof von Mainz war übrigens Bonifacius im J. 740 noch nicht, ſondern wurde es bekanntlich erſt im J. 745 und kann daher die Inſchrift unmöglich aus der Zeit des erſten Baues der Kirche herrühren. Ueber die Zeit, wann Bonifacius den h. Wigbert nach Fritzlar berufen habe, iſt die Angabe des Servatus Lupus(Vita S. Wigberti bei Mabillon sæc. III, p. 1, pag. 622):„Neque multo post ad amplissimum pontiſicalis gradum dignitatis Moguntiaci divina gratia provectus, Wigberchtum sacerdotem secundi ordinis cœnobio suo, cui nomen est gentili Germanorum lingua Friteslar, magistrum præfecit etc.“ offenbar unrichtig und beruht auf einer Verwechslung der Erhebung des h. Bonifacius zur erzbiſchöflichen Würde mit der auf den Stuhl zu Mainz.(Auf dieſen Punct iſt auch von Herrn Dr. Reinerding in ſeinem verdienſtvollen Werke:„Der heil. Boni⸗ facius als Apoſtel der Deutſchen mit Bezugnahme auf ſein Verhältniß zu Fulda u. ſ. w. dargeſtellt.“ Anhang. Geſchichtl. Belege u. Erläuterungen, S. 256, aufmerkſam gemacht worden.) Aus der weiteren Angabe des Servatus Lupus über Wigbert:„laxam antehac ac fluidam fratrum conversionem ad vitæ suæ normam eomposuit“ erſieht man, daß Wigbert, wenn er auch der erſte Abt des Kloſters Fritzlar war, demſelben doch nicht unmittelbar nach deſſen Gründung vorgeſetzt wurde. Bonifacius leitete wahrſcheinlich in der erſten


