Aufsatz 
Bemerkungen zu Eigil's Nachrichten über die Gründung und Urgeschichte des Klosters Fulda
Entstehung
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squalore constringeret) ſo zählte Sturmi, als er im Jahre 743 ſeine Reiſen in den Buchenwald unternahm, um den zur Anlage eines Kloſters geeigneten Platz aufzuſuchen, etwa ſieben und zwanzig, und als er im Jahre 744 das Kloſter Fulda gründete, etwa acht und zwanzig Lebensjahre.

Die Zeit, wann der h. Sturmius geſtorben, läßt ſich nach Jahr, Monat und Tag mit völliger Sicher⸗ heit feſtſtellen(auffallend iſt, daß Bähr in ſeinem verdienſtvollen Werke:Geſchichte der Römiſchen Literatur, 3. Supplementband S. 196 u. 296 den Tod Sturm's nur ungefähr zwiſchen die Jahre 776779 geſetzt hat) und zwar aus Eigil's Angaben(Pertz II, 377) über ſeine Anweſenheit bei Karl d. G. auf der Eresburg bei dem von demſelben im J. 879 gegen die Sachſen unternommenen Feldzuge und über ſeine Rückkehr nach Fulda, an welche ſich der Bericht über ſeinen Tod anſchließt, der mit den Worten beginnt:Altera autem die, id est 16. Kal. Januari, ingravescente languore ad extrema deductus est. Die Annales Fuldenses Enhardi(Pertz I, 349) haben zum Jahre 779 die Angabe:Sturmi abbas Fuldensis cœnobi moritur; der (ohne Zweifel im zehnten Jahrhunderte abgefaßte) Catalogus Abbatum Fuldensium(Schannat cod. prob. pag. 1, Dronke Tradit. et Antiq. Fuld. p. 162, Böhmer Font. Rer. Germ. III, 161) ſetzt ſeinen Tod eben⸗ falls auf den 17. December, während ihn der Mönch Cornelius(derſelbe ſchrieb im 15. Jahrh.) in ſeinem Previarium Fuldense historicum(Schannat p. 4) unrichtig auf den 16. December ſetzt. Marianus Scot. (Pertz VII, 548) ſetzt ſeinen Tod auf den 17. October 779, alſo zwei Monate zu früh, und wird dieſe Angabe u. a. ſchon dadurch widerlegt, daß noch vom 1. December 779 eine Schenkung auf den Abt Sturmi lautet(Dronke Cod. Dipl. Fuld. Nr. 66 pag. 42). Der h. Sturmius, welcher dem Kloſter Fulda als erſter Abt von 744779 vorſtand und am 17. December 779 ſtarb, würde alſo nach obiger Berechnung bei ſeinem Tode ungefähr 63 Jahre alt geweſen ſein, mithin keineswegs ein ſo hohes Lebensalter erreicht haben, als man gewöhnlich anzunehmen pflegt. Die Worte Eigil's(Pertz II, 377):Tunc iterum rex Karolus ad confirmationem inchoatæ fidei christianc cum exercitu ad illam terram perrexit, et venerandum Sturmen infirmum, jam senectute fessum, in Heresburg ad tuendam urbem cum sociis suis sedere jussit ſcheinen mir übrigens mit dem von mir gewonnenen Ergebniſſe über ſeine Lebensdauer nicht im Widerſpruche zu ſtehen. Das Leben des h. Sturmius, der auch bei den politiſchen Unternehmungen ſeiner Zeit eine ſo bedeutende Stellung einnahm, war voll von Mühen, Entbehrungen und Sorgen, welche ſeine Kraft wol vor der Zeit gebrochen haben moͤgen. Man denke nur an ſeine Reiſe nach Italien(im Vorbeigehen bemerke ich, daß die Angabe bei Phillips, deutſche Geſchichte, Bd. 1, S. 658, Anm. 43, der h. Bonifacius haben den h. Sturmins auch nach England geſandt, um aus dieſem Lande fromme Gehülfen für ſein Bekehrungswerk nach Deutſchland einzuladen, auf einem Irrthume beruhen muß, da von einer Reiſe des h. Sturmius nach England nirgends etwas erwähnt wird), an die traurigen Wirren und Zerwürfniſſe im Kloſter Fulda, welche die Verbannung des würdigen Mannes nach Jumiéèges bei Rouen(765 767) herbeiführten, an die mühevolle politiſche Thätig⸗ keit, welche der bei dem Könige Pippin ſo angeſehene Mann als Geſandter bei dem Baiernherzoge Thaſſilo, noch mehr aber in den Sachſenkriegen unter Karl dem Großen, wo ihm ſein ruhmvolles und erfolgreiches Wirken den Namen desApoſtels der Sachſen erwarb, entfaltete, und man wird begreifen, welche ſchwere Bürde der unermüdliche Mann zu tragen hatte. Sein Tod wurde aber auch nicht durch Altersſchwäche herbei⸗ geführt, denn noch in ſeinem Todesjahre(779) war er rüſtig genug, um Karl d. G. auf ſeinem Feldzuge gegen die Sachſen begleiten zu können. Von der Eresburg kehrte er krank nach Fulda zurück und hier er⸗ folgte ſcin Tod, nachdem die Arzneien des Arztes Wintar, welchen ihm Karl d. Gr. mitgegeben, ſein Uebel nur vermehrt hatten. Seine Canoniſation erfolgte durch Pabſt Innocenz II. am 11. April 1149(Brower Fuldens. Antiq. p. 197). Unter den Reliquien des Domes zu Fulda befindet ſich auch der Schädel des