12 wurde Eigil, der Verfaſſer der Vita S. Sturmi, dem Kloſter Fulda zur Erziehung übergeben und darum ſagt er in der Vorrede zu derſelben:„Nam et ego Eigil in discipulatu illius plus quam viginti annos conversatus eram, et sub ipsius cœnobii disciplina ab infantia usque in hanc ætatem nutritus et eruditus sum“ und Candidus im Leben Eigil's(Schannat cod. prob. p. 89) drückt ſich hierüber ſo aus:„Huic nimirum adhuc puerulus Aegil, de patria transportatus, honoriſice a parentibus præsentatur etc.“ Daß aber unter einem puer kein Knabe zu verſtehen iſt, wird man, um auch hier anſtatt zahlloſer Beiſpiele nur ein einziges anzuführen, beſonders deutlich aus der Stelle bei Willibald(Pertz II, 350) erkennen, in welchem jene Bezeichnung dem bewaffneten Gefolge des h. Bonifacius, welches denſelben gegen die ihn überfallenden Frieſen vertheidigen wollte, beigelegt wird:„Tunc repente ex adverso pueri e castris prosilientes, utrubique se armis impetunt, et sanctos contra insensatum postmodum martyres furentis populi exercitum defendere gestiunt. Sed vir dci statim audito tumultuantis turbæ impetu, accito ad se clericorum clero, sumptis sanctorum reliquiis quas secum indesinenter habere consueverat, e tentorio procedit, et confestim increpando pueris pugnæ interdixit certamen, dicens: Cessate, pueri, a conflictu etc.“ Aus einer andern Stelle Willibald's(Pertz II, 352):„Enumeratis igitur beati viri gestis, quibus in infantia et pueritia vel adulescentia et iuventute aut etiam in senectute floruerat“ erſieht man, daß unter infantia das Knabenalter(denn einem Kinde können noch keine gesta beigelegt werden), unter pueritia oder adulescentia das Jünglingsalter, unter iuventus das Mannesalter und unter senectus das Greiſenalter zu verſtehen iſt. Wir haben demnach unter dem puer Sturmi uns einen Jungling zu denken und werden ihm das richtige Alter geben, wenn wir ihn uns um das Jahr 734, in welchen ihn nach unſerer obigen Annahme Bonifacius aus Baiern nach Fritzlar brachte, als einen achtzehnjährigen Jüngling vorſtellen. Auf einen ſolchen„Jüngling näher dem Manne“, nicht aber auf einen Knaben paßt die Schilderung, welche Eigil(Pertz II, 366) von dem puer Sturmi entwirft, als derſelbe in dem Kloſter Fritzlar den Unterricht Wigbert's genoß:„Erat quippe, ut scriptum est, meditatio eius in lege Domini die ac nocte; profundus in sensu, sagax in cogitatione, prudens in sermone, pulcro adspectu, gressu composito, honestis moribus, vita immaculata, caritate, humilitate, mansuetudine, alacritate, omnium in se traxit amorem.“ War nun der h. Sturmius um das Jahr 734 etwa achtzehn Jahre alt, ſo würden wir als ſein Geburtsjahr, über welches ſich nirgends eine Angabe findet, etwa das Jahr 716 annehmen können. Da die Ausbildung für den Prieſterſtand, welche Sturmi in Fritzlar von Wigbert erhielt, nach Eigil's Bericht(Pertz II, 366) eine ſehr gründliche und umfaſſende war, ohne Zweifel auch dem Jünglinge, als er in das Kloſter aufge⸗ nommen wurde, die für das theologiſche Studium erforderliche wiſſenſchaftliche Vorbildung noch abging, ſo wird man ſeine Bildungszeit in Fritlar bis zu dem Augenblicke, wo er zum Prieſter geweiht wurde, mindeſtens auf ſechs Jahre berechnen müſſen. Mit dieſer Berechnung ſtehen die Worte Eigil's (Pertz l. c.):„Post non longum temporis presbyter omnium voluntate omniumque consensu servorum Dei ordinatus etc.“ nicht im Widerſpruche, indem Eigil nur ſagen will, der junge Sturmi habe bei ſeinen vorzüglichen Geiſtesgaben und ſeinem angeſtrengten Fleiße ſich die zum Eintritte in den Prieſterſtand erforder⸗ liche Ausbildung in verhältnißmäßig kurzer Zeit und früher erworben, als es unter andern Umſtänden der Fall geweſen ſein würde. Der h. Sturmi war alſo, als er im Jahre 740(dieſes Jahr läßt ſich aus der ſogleich folgenden Zeitangabe Eigil's ſowie aus der ſpäteren über die Gründung des Kloſters Fulda mit Sicherheit feſtſtellen) zum Prieſter geweiht wurde, etwa vier und zwanzig Jahre alt und da Eigil(Pertz II, 367) ferner angibt, er habe ſich faſt drei Jahre im Prieſterſtande befunden, als er den Entſchluß gefaßt, in der Einſamkeit ein noch ſtrengeres Leben zu führen(„Cumque paene tribus annis sic presbyteratus sui prædicando et baptizando officium gereret in plebe, cælesti illi inspiratione cogitatio incidit in cor, ut artiore se vita et eremi
Aufsatz
Bemerkungen zu Eigil's Nachrichten über die Gründung und Urgeschichte des Klosters Fulda
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