Aufsatz 
Bemerkungen zu Eigil's Nachrichten über die Gründung und Urgeschichte des Klosters Fulda
Entstehung
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nur mit dem überein, was Willibald(Vit. S. Bonif. bei Pertz II, 345) über die Wirkſamkeit des h. Boni⸗ facius während dieſes ſeines zweiten Aufenthaltes in Baiern angibt:hisque omnibus rite confectis, Baguariorum temporibus Hugoberti ducis adit terras, prædicationisque studium apud eos diligentissime exercuit et multas considerando circuit ecclesias, tantoque divinæ fortitudinis zelo armatus est, ut quendam quidem scismaticum heretica pravitate deceptum, nomine Eremwulfum, iuxta canonum decreta dampnavit atque abiecit, et populum a perversa sectæ eius idolatria correxit etc.(Die Zeitangabe, welche ſich bei Pertz II, 345 findet, nämlich 693 731, paßt nicht zu den Begebenheiteu, welche dort erzählt werden.) Da nun nach Willibald dieſer zweite Aufenthalt des h. Bonifacius in Baiern in die Zeit des Herzogs Hucbert fiel, welcher von 725737 in Baiern regierte(ſ. die Stammtafel der Agilolfingiſchen Herzoge bei Rudhart, Aelteſte Geſchichte Bayerns, S. 324) und da nach Eigil(a. a. O.) Bonifacius den jungen Sturmi in das Kloſter Fritzlar brachte, welches er kurz nachdem er vom Papſte Gregor III. das erzbiſchöfliche Pallium erhalten(732), geſtiftet hatte und die Ausbildung des Jünglings dem h. Wigbert, welcher von ihm als erſter Abt dem Kloͤſter Fritzlar vorgeſetzt worden und daſelbſt um das Jahr 734 eingetroffen war(ſ. Rettberg, Kirchengeſch. Deutſchlands, Bd. 1, S. 603, Anm. 54); ſo ſteht wenigſtens ſoviel unzweifelhaft feſt, daß jener zweite Aufenthalt des h. Bonifacius in Baiern und die Aufnahme des h. Sturmi zwiſchen die Jahre 732 und 737 geſetzt werden muß. Dies erkannte ſchon Eckhart(Franc. orient. lib. XXI. Nr. 48), indem er angibt, daß Bonifacius 736 und 737 in Baiern geweſen ſei und den Sturmi als Schüler angenommen habe, und ihm iſt Seiters (Leben des h. Bonifacius, S. 267) gefolgt; von Rettberg(I, S. 347) wird die gedachte Reiſe nach Baiern in das Jahr 735 oder 736 verlegt, während ſich Rudhart S. 270 für das Jahr 733 oder 734 entſcheidet. Ein beſtimmtes Jahr läßt ſich unmoglich ermitteln, doch wird man ſich von der Wahrheit ſicher nicht weit entfernen, wenn man annimmt, daß Sturmi im J. 734 aus Baiern nach Fritzlar gebracht wurde.

Die Worte Eigil's:Tunc etiam puer Sturmi precatu parentum ab eo susceptus etc. und weiter unten:Cumque pluribus provinciis peragratis ad Frideslar Hessionum in regionem, sancti viri cœnobium, tandem pervenissent ete haben in neueren Schriften zu Mißverſtändniſſen Anlaß gegeben, indem man, von der unrichtigen Annahme ausgehend, daß Sturmi bereits im J. 718 von Bonifacius im Alter eines Knaben (nach unſerem Begriffe dieſes Wortes) als Schüler angenommen worden ſei, zu der ganz widerſinnigen Anſicht gelangte, daß der Heilige dieſenKnaben jahrelang mit ſich umhergeführt und mehrere Provinzen mit ihm durchwandert habe, bis er ihn endlich dem um das Jahr 732 gegründeten Kloſter Fritzlar habe üͤbergeben können, während Eigil's Worte, wie der Zuſammenhang lehrt, offenbar nicht anders verſtanden werden können, als daß der h. Bonifacius mit dem jungen Sturmi, als er denſelben aus Baiern nach Fritzlar brachte, durch mehrere deutſche Länder gekommen ſei. Wer mit dem Sprachgebrauche der Schriftſteller jener Zeit bekannt iſt, weiß, daß die Knaben, welche in den Klöſtern erzogen und ausgebildet wurden, zwar auch mitunter pueri, viel häufiger jedoch infantes, pueruli, parvuli hießen, unter pueri aber meiſt Jünglinge zu verſtehen ſind, wie denn auch bekanntlich in der claſſiſchen Latinität pueri nicht ſelten von erwachſenen Jünglingen geſagt wird. So hat, um nur einige wenige Beiſpiele anzuführen, die Beſtimmung, welche die regula monachorum der Synode zu Aachen über die Oblation zum klöſterlichen Stande enthält, die Ueberſchrift: Traditio infantum; ſo wird Hrabanus Maurus von Candidus(Vit. Eigil. metr. conscr. bei Schannat hist. Fuld. cod. prob. pag. 112) infantum doctor genannt und Hraban ſelbſt ſagt in der Vorrede des Com⸗ mentars zum Matthäͤus, welchen er als Magiſter unter dem Abte Eigil ſchrieb:UHorum ego lectioni intentus, quantum mihi præ innumeris monasticæ servitutis retinaculis licuit et præ nutrimento parvulorum, quod non parvam nobis ingerit molestiam etc.(Opp tom. V. pag. 1 sq. ed. Ceiwen). In Knabenalter