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Biſchofe Bonifacius, welcher damals gerade in Thüringen verweilte. Tieſer war ungemein erfreut, ſeinen lieben Sturmi wiederzuſehen, dankte Gott für deſſen glückliche Rückkehr und richtete an ihn viele Fragen über ſeine Reiſe und die Gegenden, durch welche er gekommen. Nachdem der Biſchof Ueberzeugung gewonnen, daß Sturmi die genaueſte Kenntniß von dem Leben und den Einrichtungen der Klöſter ſich erworben hatte, ſprach er zu ihm:„Wohlan!l ſo gehe denu hin und bemühe dich, ſo viel immer in deinen Kräften ſteht, das neue Kloſter Fulda nach dem Vorbilde der Lebensweiſe der Mönche einzurichten, welche du in Italien beobachtet haſt. Alsbald wanderte nun Sturmi, nachdem er ſich von dem Biſchofe verabſchiedet hatte, ſeiner Einöde wieder zu, wo er am vierten Tage, zur großen Freude ſeiner Brüder, anlangte. Alles, was er in Italien und in den Klöſtern der tusciſchen Provinz geſehen hatte, theilte er ihnen aufs genaueſte und ausführlichſte mit und legte es ihnen auch an ſeinem eigenen Beiſpiele vor Augen. Denn in jeder Vorſchrift, welche er den Brüdern ertheilte, war er zuerſt ſich ſelbſt zu üben bemühet, damit Niemand jemals Veranlaſſung haben möchte, ihn zu fragen:„Warum thuſt du denn das ſelbſt nicht, was du lehreſt und vorſchreibeſt?“ Da be⸗ mächtigte ſich der Brüder der ſehnlichſte Wunſch, Alles, was ſie geſehen und gehört, aufs treueſte zu erfüllen und mit der größten Gewiſſenhaftigkeit beobachteten ſie, wie ſie ſich vorgenommen, die Regel des heiligen Benedictus.
Viele Jahre verharrten ſie ſo in heiliger Lebensordnung und das Kloſter nahm zu durch die Ankunft Vieler, welche ſich ſelbſt und ihr Eigenthum dem Dienſte des Herrn zum Geſchenke darbrachten. Die Gebäude vermehrten ſich und das Kloſter erlangte in allen Ländern einen guten Nuf, der ſich ſogar bis zu den ent⸗ fernteſten Klöſtern verbreitete. Der heilige Bonifacius aber erſchien mehrmals dort zu Beſuche, und da ihn die Armuth der Brüder erbarmte, ſo ſchenkte er ihnen einige kleine Meierhöfe, damit ſie den nothwendigen Lebensunterhalt gewinnen könnten. ²
Soweit der Bericht des heil. Eigil über die Gründung und Urgeſchichte des Kloſters Fulda. Derſelbe wird in den nachfolgenden Bemerkungen, wo es erforderlich iſt, erläutert werden und einer Prüfung und Würdigung der in denſelben mitgetheilten Ergebniſſe ohne Zweifel beſſer zur Grundlage dienen können, als wenn nur die betreffenden Stellen desſelben außer ihrem Zuſammenhange aufgenommen worden wären.
1. Ueber die Zeit, wann der h. Bonifacius den jungen Sturmi in Baiern, welches in der Sprache des Mittelalters Noricum hieß, zu ſich genommen, finden ſich bei mehreren Schriftſtellern ganz falſche Angaben, welche ſich, ſobald man ſie mit den Nachrichten der Quellenſchriften vergleicht, auf den erſten Blick wider⸗ legen. Es iſt durchaus keinem Zweifel unterworfen, daß die Annahme Sturmi's weder bei dem erſten Aufenthalte des h. Bonifacius in Baiern(bei demſelben berührte dieſer, als er im J. 719 von Rom zurück⸗ kehrte, Baiern nur auf der Durchreiſe) noch bei ſeinem dritten Aufenthalte in jenem Lande, welcher in den Sommer 739 und zwar unter Herzogs Odilo's Regierung fällt, ſondern bei ſeiner zweiten Anweſenheit in Baiern ſtattfand. Was Eigil berichtet(Vit. S. Sturmi, bei Pertz II, 366):„Tempore quodam sanctus et venerandus episcopus Bonifacius Noricam regionem ingressus, cum sacerdotes et universos ecclesiæ ordines ad catholicam imbueret fidem cunctosque ibidem hæreticorum errores ab ecclesiis repelleret Christi, populos quoque geniis illius, licet essent Christiani, ab antiquis tamen paganorum contagiis et perversis dogmatibus infectos, veracibus Christi doctrinis cohiberet, coeperunt ei certatim nobiles viri in servitium Domini nutciendas suas offerre subules. Tunc etiam puer Sturmi precatu parentum ab eo susceptus eic.“ ſtimmt


