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wurde ſein Herz von hoher Freude erfüllt und aufs innigſte dankte er Gott, daß er nach ſeiner Gnade ſeinen Dienern eine ſo vortreffliche Wohnſtätte in der Wüſte vergönnt habe. Hierauf befahl er den Leuten, die er mitgebracht hatte, an der Stelle, welche er nach eigener Anſicht und in Uebereinſtimmung mit den Dienern Gottes als den zur Gründung der Kirche geeignetſten Platz erkannt hatte, alle Bäume zu fällen und begab ſich ſelbſt auf den Berg, welcher jetzt der Biſchofsberg heißt, wo er andächtigen Gebeten und der Erforſchung der heiligen Bücher oblag und durch ſein Verweilen auf dem Berge zu der erwähnten Benennung desſelben Anlaß gab. 20 qNachdem eine Woche verfloſſen, der Wald gerodet und eine große Anzahl Bäume gefällt, auch ein Ofen zur Kalkbereitung errichtet war,““ nahm der Biſchof Abſchied von den Brüdern, empfahl den Ort dem Schutze des Allmächtigen und zog mit den Werkleuten, welche er mitgebracht hatte, wieder von dannen.
Schon im folgenden Jahre ſtattete der Biſchof dem neuerbauten Kloſter, welches ſchon damals von dem Fluſſe, an welchem es lag, den Namen Fulda ²² führte, einen Beſuch ab ,begrüßte die Brüder und brachte mehrere Tage bei denſelben zu, indem er die neuen Mönche mit großem Eifer in den Vorſchriften und Ordnungen des Kloſterlebens unterrichtete und die heiligen Schriften ihnen erklärte. Da er fand, daß in den Klöſtern nirgends Wein getrunken wurde, ſo wurde der einhellige Beſchluß gefaßt, daß auch in dem Kloſter Fulda jedes ſtarke Getränk, durch deſſen Genuß man ſich berauſchen könnte, gemieden und nur ein dünnes Bier getrunken werden ſollte. Dieſer Beſchluß wurde aber in der Folge, als die Zahl der Mönche zugenommen hatte, mit Rückſicht auf die Kranken und Schwachen, durch einen zur Zeit des Königes Pippin gefaßten Synodalbeſchluß ²s wieder abgeändert; doch enthielten ſich einige der Brüder bis an ihren Tod des Weines und aller ſtarken Getränke. Nur kurze Zeit dauerte dieſer Aufenthalt des Biſchofes und nachdem er noch mit Sturmi eine vertraute Unterredung gepflogen, in welcher er ihn über die Art und Weiſe, wie er die Leitung der Mönche zu führen habe, belehrte, dieſen letzteren aber in reichlichen Unterweiſungen und Ermah⸗ nungen die Pflicht des Gehorſames eingeſchärft hatte, nahm er Abſchied von den Bewohnern des Kloſters und empfahl ſie der Gnade des Herrn. So pflegte er noch häufig im Laufe der Jahre, ſo viel es ihm ſein biſchöfliches Amt, welches ihn mit ſo wichtigen Pflichten und ſchweren Mühen belud, geſtattete„ das Kloſter Fulda zu beſuchen und dort zu verweilen. Er leiſtete dann mit eigenen Händen Hilfe beim Bauen und nahm ſeinen Aufenthalt auf dem geliebten Berge, der oben erwähnt wurde, wo er innig zu dem Herrn betete und die Geheimniſſe der heiligen Schrift durchforſchte.
Da nun die Brüder des Kloſters Fulda das ſehnliche Verlangen hatten, die Regel des heil. Benedictus ſtreng zu befolgen und ihren Geiſt ſowohl als ihren Körper den Vorſchriften der klöſterlichen Zucht aufs gewiſſenhafteſte zu unterwerfen; ſo faßten ſie den heilſamen Beſchluß, einige aus ihrer Mitte zu den bedeu⸗ tendſten Klöſtern in verſchiedenen Gegenden abzuſenden, welche den einträchtigen und gottſeligen Verkehr der Brüder und ihre ſtrenggeregelte Lebensweiſe kennen lernen ſollten. Als dies dem heiligen Biſchofe gemeldet wurde, lobte er den weiſen Beſchluß der Brüder und beauftragte den eifrigen Sturmi mit Ausführung dieſer wichtigen Sendung. Dieſer verſah ſich mit allem Nothwendigen für die Reiſe und nachdem er zwei Brüder zu Begleitern genommen, trat er im vierten Jahre, ſeitdem er an dem Orte des neuen Kloſters angelangt war, die Reiſe nach Rom an. Er beſuchte alle Klöſter in dem Lande Italien, lernte die Lebensweiſe der Brüder kennen und machte ſich auf's innigſte vertraut mit den ehrwürdigen Ueberlieferungen aus der Vorzeit, wie ſie in den Klöſtern vorhanden waren. Ein volles Jahr verweilte er in jenem Lande und trat dann im folgenden Jahre, begeiſtert durch die vielen Beiſpiele von Tugenden, welche er geſehen, die Rückreiſe an. ²
Auf dieſer wurde er von einer Krankheit ergriffen, an welcher er im Kloſter Chitzinga(Kitzingen) vier Wochen daniederlag. Sobald er ſich geneſen fühlte, machte er ſich wieder auf den Wes und begab ſich zum


