Aufsatz 
Bemerkungen zu Eigil's Nachrichten über die Gründung und Urgeschichte des Klosters Fulda
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

als den Platz zu verlaſſen, und ſie begaben ſich an einen Ort, welcher Chrihlari(Johannisberg bei Fulda?) ¹s genannt wird. Der heilige Biſchof Bonifacius aber ging, wie bereits gemeldet wurde, zu Karlmann, dem Könige der Franken, und ſprach zu demſelben, nachdem er ihm mit Ehrfurcht genahet war, folgende Worte:Wenn es der Wille des allmächtigen Gottes iſt und Deine Hilfe, erhabener Fürſt, mir nicht entgeht, ſo gedenke ich in Deinem öſtlichen Reiche ein Mönchsleben einzurichten und ein Kloſter von ſolchem Umfange zu gründen, wie es in den vergangenen Zeiten vor mir noch Niemand unternommen hat. 16 Dazu, o Köͤnig, erbitte ich mir nun Deinen frommen Beiſtand, für welchen Dich der höchſte der Könige, Jeſus Chriſtus, in ſeinem himmliſchen Reiche immerdar mit reichem Lohne ſegnen möge. Wir haben nämlich in der Einöde, welche Bochonia heißt, an den Ufern des Fluſſes, welcher den Namen Fulda führt, einen zur Wohnung für die Diener Gottes geeigneten Platz gefunden, welcher unter Deiner Botmäßigkeit ſteht. Wir bitten Dich nun, o frommer Fürſt, uns dieſen Ort zum Geſchenke zu geben, damit wir an demſelben unter Deinem Schutze dem göttlichen Heilande dienen können. Da fügte es Gott in ſeiner Güte, daß die Bitte des ehrwürdigen Biſchofes bei dem Könige freundliche Aufnahme fand. Ohne Verzug ließ er alle Vornehmen ſeines Palaſtes zuſammen⸗ kommen und nachdem er dem Entſchluſſe des Biſchofes reichliches Lob geſpendet und ſeinen Großen die Bitte desſelben mitgetheilt hatte, übergab er vor der ganzen Verſammlung dem Biſchofe den Ort, um welchen derſelbe gebeten hatte, mit den Worten:Den Ort, um welchen Du bitteſt und der, wie Du angibſt, Eihloha heißt und am Ufer des Fuldafluſſes gelegen iſt, mit Allem, was ich daſelbſt in dieſer Stunde zu eigen beſitze, übergebe ich ganz und unverkürzt aus meinem Beſitze in den Beſitz Gottes und zwar ſo, daß von jenem Orte in der Runde, nach den vier Himmelsgegenden und zwar von Oſten nach Weſten und von Norden nach Süden, eine Mark von viertauſend Schritten zu demſelben gehören ſoll. 16,

Hierauf ließ der König über dieſe Schenkung eine förmliche Urkunde ¹ ausfertigen, velche er mit eigener Hand unterzeichnete, und fertigte Geſandte ab, welche alle Edlen im Gaue Grabfeld verſammeln und dieſelben in des Königes Namen auffordern ſollten, daß Jeder alles Eigenthum, was er etwa an jenem Orte beſitzen möchte, den Dienern Gottes, wie es auch der König gethan, als Eigenthum übergeben ſollte. Auf einen beſtimmten Tag kamen nun alle Edeln zuſammen; die Geſandten des Königes erſchienen und redeten zu ihnen alſo:Der König meldet Cuch ſeinen freundlichen Gruß und das iſt ſein Wille und Befehl, daß Jeder von Euch, welcher etwa ein Eigenthum an dem Orte, der Eihloha heißt, haben ſollte, dasſelbe ganz und unverkürzt den Dienern Gottes zur Wohnſtätte übergebe. Als dieſes die Edlen vernommen hatten, unterwarfen ſie ſich ſogleich mit voller Bereitwilligkeit dem Willen des Königes und üleriben Alles, was ſie an jenem Orte zu eigen beſaßen, dem Manne Gottes Sturmi.

Nachdem nun die Schenkung von allen Seiten beſtätiget war, begab ſich Sturmi wieder zu ſeinen Brüdern nach Chrihlari und nach einem Aufenthalte von wenigen Tagen zog er mit ſieben Gefährten an den Ort, wo ſich jetzt das heilige Kloſter befindet, und im ſiebenhundert und vier und vierzigſten Jahre der Menſchwerdung Chriſti, unter der Regierung der Brüder Karlmann und Pippin, im zwölften Indictions⸗ jahre, im erſten Monate(März) und zwar am zwölften Tage dieſes Monates, betrat er die heilige und ihm von Gott ſchon lange vorausbeſtimmte Stätte. 1 Die frommen Männer flehten nun zu Chriſtus dem Herrn, daß er ihnen dieſelbe nach ſeiner göttlichen Gnade immerdar ſegnen und ſchützen möge, ſtimmten dann Pſalmen an, dienten Gott mit Wachen, Faſten und Beten und begannen hierauf rüſtig mit eigenen Handen Bäume zu fällen und die Stätte, ſo viel ſie vermochten, zu ſäubern.

Nach zwei Monaten u erſchien auch der ehrwürdige Erzbiſchof Bonifacius mit vielen Arbeitern, und als er den Ort in Augenſchein genommen und die vielen Vortheile erkannt hatte, welche derſelbe gewäaͤhrte, da