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Gottes entdeckt hatte, was ſeine Abſicht ſei, begann der Fremde ihm die Namen der Oerter zu nennen und den Lauf der Bäche und Quellen zu beſchreiben. Die Gegend, in welcher ſie ſich befänden, bemerkte er, heiße mit einem alten Namen Aihloh(Cichwald).
In der Frühe des folgenden Morgens erhoben ſich die beiden Wanderer und ſchieden mit den beſten Segenswünſchen von einander. Der Laie ſetzte ſeinen Weg nach dem Grabfelde weiter fort, der Diener Gottes aber wendete ſich nun wieder zurück und begann von neuem ſeine gewohnte Wanderung durch die Einöde, indem er dem Heilande ſeinen Weg und ſeine ganze Hoffnung empfahl. ¹° Als er nun ſo durch den Aihloha zog, wo ihm die Gegend wenig gefiel, gelaugte er an einen Bach, welcher noch heute der Grezzibach (Kretzbach) heißt. Hier verweilte er kurze Zeit, indem er die Lage des Ortes betrachtete und die Beſchaffenheit des Bodens prüfte. Als er ſich nun noch etwas weiter zurückwandte-— ſiehel da kam er an den geſegneten und von Gott ihm ſchon lange vorbehaltenen Platz, auf welchem ſich jetzt das heilige Kloſter befindet.“¹ Unendliche Freude durchdrang ſein Herz; ermuthigt und frohlockend ging er auf der Stelle umher; es ward ihm völlig klar vor der Seele, daß dieſer und kein anderer der Ort ſei, welchen ihm Gottes Gnade um der Verdienſte und Gebete des heiligen Bonifacius willen enthüllt habe. Die Schönheit der Gegend erfüllte ihn mit Entzücken, und je länger er nach allen Richtungen auf dem Platze umherwandelte, deſto höher ſtieg ſeine Freude, deſto inbrünſtiger dankte er Gott, daß ſeine Gnade ihm die rechte Stelle gezeigt habe. Nachdem er nun einen bedeutenden Theil des Tages damit zugebracht hatte, ſich die Gegend nach allen Richtungen hin genau anzuſehen, ſegnete er den Ort, bezeichnete ſich denſelben ſorgfältig und zog mit freudigem Herzen von dannen.
Am zweiten Tage ſchon erreichte der Mann Gottes Hersfeld, wo er ſeine beiden Gefährten bei ihren frommen Gebeten antraf. Er meldete ihnen, daß ihm die Auffindung des erſehnten Ortes endlich gelungen ſei und gebot ihnen, ſich bereit zu halten, damit ſie ihm ſo bald als möglich dahin folgen könnten. Unverzüglich eilte er hierauf zu dem Biſchofe nach Seleheim, wo er denſelben ſchon nach wenigen Tagen erreichte und mit gewohnter Freundlichkeit von ihm aufgenommen wurde. Frohen Herzens theilte er nun dem Biſchofe mit, daß ihm das Glück zu Theil geworden, den geliebten Ort endlich aufzufinden, und als er ihm die Lage des Ortes, die Beſchaffenheit des Bodens und den Lauf des Waſſers, mit welchem das Kloſter jetzt ſo reichlich verſorgt wird, beſchrieben wie auch die übrigen Vorzüge geprieſen hatte, erfüllte er auch den Biſchof mit hoher Freude. Beide wünſchten ſich gegenſeitig Glück, brachten Gott ihre Dankgebete dar und beſprachen ſich dann lange über das gottgeweihte Leben der Mönche. Nach dieſen freund⸗ lichen Unterredungen behielt der Biſchof ſeinen geliebten Einſiedler eine kurze Zeit bei ſich, belehrte ihn durch gottſelige Geſpräche und ſuchte ihn durch Worte der Weisheit aus der heiligen Schrift mit eifriger Liebe für das klöſterliche Leben zu erfüllen. Nachdem er ihn ſo aus der reichen Quelle göttlicher Weisheit erquickt und durch viele fromme Sprüche aus den heiligen Büchern erhoben und aufgemuntert hatte, entließ er ſeinen geliebten Eremiten wieder in die Wildniß und er ſelbſt begab ſich zu dem Palaſte des Königes,*² um ſich von demſelben den in der Einöde gefundenen Ort zum Geſchenke zu erbitten.
Der fromme Sturmi aber eilte wieder zu ſeinen Brüdern in die Einſamkeit und begab ſich mit den⸗ ſelben unverzüglich nach dem aufgefundenen Orte, nachdem noch kein Jahr verfloſſen war ſeit jener Zeit, wo er ſeinen Wohnſitz in der Einöde zu Hersfeld aufgeſchlagen. ¹¹ Als ſie nun aber bei dem aufgefundenen Orte ankamen, fanden ſie zu ihrer größten Betrübniß dort mehrere Leute, welche den Ort als ihr Eigenthum in Anſpruch nahmen und ihn den Dienern Gottes zur Wohnſtätte nicht überlaſſen wollten. Da dieſe den Widerſtand, auf welchen ſie ſtießen, für jetzt noch nicht zu überwinden vermochten, ſo blieb ihnen nichts übrig,


