15
Zeit das Kloſter ſelbſt und mochte erſt ſpäter, da ihn ſeine haäͤufigen Reiſen verhinderten, dieſe Leitung ſo zu führen, wie er es wünſchte, es für nothwendig halten, der neuen Stiftung zu deren beſſerem Gedeihen einen tüchtigen Mann wie den h. Wigbert vorzuſetzen. Für die Zeit, wann das Kloſter Fritzlar gegründet und wann der h. Wigbert zur Leitung desſelben berufen wurde, läßt ſich eine genaue Jahresangabe nicht er⸗ mitteln, doch dürften die von mir oben angenommenen Jahre 732 und 734 als annähernde BZeitbeſtim⸗ mungen wol feſtgehalten werden dürfen. Mit dieſer Annahme läßt ſich dann auch ſehr wohl vereinigen, was Servatus Lupus über die Wirkſamkeit des h. Wigbert(derſelbe brachte auch einige Jahre in dem Kloſter Ordruf zu und ſtarb bereits 747) in Fritzlar bemerkt:„ibi cum Megingo suo diu conversatum esse“ und „discipulos eius sacræ professionis illic studium longo imbibisse usu.“
Der Name Frideslare(ſo lautet er in den beſten Handſchriften) kam dem Orte ſchon vor Bonifacius Zeit zu und bezeichnet nicht pacis doctrina, wie er in den angeblich von Witta herrührenden Verſen gedeutet wird:.
pacis doctrina, felix te norma divina
Pascit Wigberti tanti lætare magistri ſondern mansio quieta, paciſica(Friedenswohnung), da das althochdeutſche lar, mit welchem ſo viele Orts⸗ namen endigen, mansio, habitaculum bedeutet(S. Rettberg, Kirchengeſch. Deutſchl. I, 594).
3. Bochonia oder Buchonia d. h. Buchen, Buchenwald, war zur Zeit des h. Bonifacius und ſchon früher landſchaftliche Bezeichnung für die ſchauerlichen Waldgegenden in einem ausgedehnten Gebiete zwiſchen der Werra und dem Mittelmain, der fränkiſchen Saale und den Quellen der Lahn, auf welchem noch jetzt etwa der vierte Theil des Bodens mit Wald bedeckt iſt. Seiner Hauptmaſſe nach lag der Buchoniſche Wald im Gaue Grabfeld, erſtreckte ſich jedoch auch über Theile des Saalgaues, des fränkiſchen Heſſengaues, des Oberlahngaues und der Wetterau. Ueber die Ausdehnung und die Grenzen dieſes Waldes läßt ſich aus den Erwähnungen desſelben in den Quellenſchriften und Urkunden etwas Genaues nicht feſtſtellen. Am wenigſten läßt ſich dazu die bekannte Stelle in dem(auch von Othlon) aufgenommenen Schreiben des heil. Bonifacius an Papſt Zacharias(ep. Bonif. ed. Serarius p. 211) benutzen:„est præterea locus silvaticus in eremo vastissimæ solitudinis, in medio nationum prædicationis nostre, in quo monasterium construentes monachos constituimus— quatuor enim populi quibus verbum Christi diximus, in circuitu loci hujus habitare dinoscuntur“(mit den vier Völkern ſind ſchwerlich, wie Delius in Erſch und Gruber's Encykl. Th. 13 S. 305 Anm. vermuthet, die Oſtfranken, Thüringer, Sachſen und Rheinfranken oder die Baiern, Alemannen, Franken und Sachſen, ſondern wahrſcheinlich die Baiern, Franken, Heſſen und Thüringer gemeint, wobei ich noch bemerke, daß Heſſen um jene Zeit keineswegs, wie man behauptet hat,„blos Gauname“ iſt, ſondern auch, wie man ſchon aus Eigil's Worten„Frideslar Hessionum in regionem“ ſieht, eine Völkerſchaft des⸗ oſtfränkiſchen Reiches bezeichnet, wie denn auch Willibald cap. 7 bei Pertz II, 342 ſagt, daß Bonifacius„populum Uessorum“ bekehrt habe), denn hier iſt nicht von dem Walde Buchonia, ſondern von dem Orte Fulda die Rede. Einen ganz unbedeutenden Fingerzeig gibt die Stelle in Append. Auct. Presbyt. Mogunt.(Pertz I, 357), wo von der Hinüberführung des Leichnams des h. Bonifacius von Mainz nach Fulda die Rede iſt. Derſelbe wurde, wie wir auch aus Eigil wiſſen(Pertz II, 373), von Mainz den Main hinauf bis Hochheim zu Schiffe, von da zu Lande durch die Wetterau geführt, und wo der Zug zu Mittag oder zu Nacht raſtete, wurden Kreuze errichtet und ſodann Kirchen gebaut. Nachdem der Presb. Mogunt. dieſes berichtet hat, fährt er fort:„Dum autem ventum est ad introitum silvae Bochoniae, mulieres revertentes ad propria, viri quoque comitabantur usque ad locum, quo ultimum decreverat corpus exspectare judicium.“ Aus dieſer


