5
alles Dasjenige, was er ihnen über ſeine Ankunft und ſeinen Aufenthalt bei dem Heiligen ſowie über ſeine Unterredungen mit demſelben berichtete. Nachdem er ihnen nun auch die von dem Biſchofe erhaltene Weiſung mitgetheilt hatte, beſtieg er mit ſeinen beiden Brüdern einen Kahn und ſie fuhren nun den Fluß Fulda hinauf, an allen Bächen und Quellen die Gegenden ſorgfältig erforſchend. Aus dem Fahrzeuge geſtiegen, wanderten ſie rings umher, betrachteten ſich das Land, die Berge, die Hügel, die Höhen und Thäler und prüften aufmerkſam die Gegenden, um einen Platz zu finden, welchen Gott ſeinen Dienern zur geeigneten Wohnſtätte in der Einöde beſtimmt hätte. Am dritten Tage kamen ſie endlich an die Stelle, wo das Flüßchen Luodera(Lüder) ⁶ in die Fulda einmündet. Hier wendeten ſie ihren Kahn und fuhren wieder zu ihrer Zelle zurück, da ſie keinen Ort, der ihren Wünſchen entſprach, gefunden hatten. Nux an einem Orte, welcher Ruohenbach(Frauenrombach)“ heißt, batten ſie ſich ein wenig aufgehalten, da ſie meinten, daß hier allenfalls ein paſſender Wohnplatz für die Diener Gottes ſein dürfte; doch bald kamen ſie zu der Ueberzeugung, daß dieſer Ort den Beifall des Biſchofes nicht würde finden können Bald gelangten ſie nun wieder zu ihren ärmlichen Wohnungen und flehten hier in inbrünſtigem Gebete zu Gott, daß er ihnen den erſehnten Ort in der Wildniß entdecken möge, wo ſie ſonder Gefahr, wie es der heilige Biſchof Bonifacius vorgeſchrieben, Gott zu dienen vermöchten. Während ſie nun hier Tag und Nacht mit Faſten, Wachen und Gebeten im Dienſte Gottes verharrten, gedachte der Biſchof Bonifacins ſeines Eremiten Sturmi, und da ihn ſehr zu wiſſen verlangte, wieweit demſelben die Erforſchung des Ortes gelr ungen ſei, ſo ſandte er einen Boten an ihn ab, der ihn einladen ſollte, ſich aufs eiligſte zu ihm zu begeben. Der Bote fand den frommen Sturmi in ſeiner Einſiedelei und richtete nach ehrerbietiger Begrüßung ſeinen Auftrag aus; worauf Sturmi, hoch erfreut, daß der ehrwürdige Biſchof ſeiner gedacht habe, ſeine beiden Gefährten zu ſich kommen ließ und ihnen auf⸗ trug, den Boten mit dem, was ſie an Speiſe hätten, freundlich zu⸗ bewirthen. Nachdem der Bote ſich ch geſtärkt hatte, entließ ihn Sturmi unter freundlichem Danke für ſeine Bemühung und mit der Bitte, dem Bijchofe zu melden, daß er ſeinem Boten ohne Verzug nachfolgen werde.
0 Schon am folgenden Tage nahm Sturmi Abſchied von ſeinen beiden Brüdern und eilte naf Seleheim(Großſelheim), ³ da er vernommen, daß hier der Biſchof verweile; doch fand er denſelben nicht an dieſem Orte, ſondern in Frideslar, wo er am zweiten Tage nach ſeiner Abreiſe von ſeiner Einſiedelei ankam. Sobald Bonifacius vernommen, daß ſein Eremit angekommen ſei, ließ er denſelben ſogleich zu ſich rufen. Dieſer warf ſich demüthig vor ſeinem Biſchofe nieder, um deſſen Segen zu empfangen. Mit gewohnter Freundlichkeit und Liebe empfing Bonifacius den frommen Einſiedler, küßte ihn, lud ihn ein, ſich an ſeiner Seite niederzulaſſen, und nachdem er ihm ſeine Freude darüber ausgeſprochen, daß er gekommen, bat er ihn, aus Liebe zu ihm und, ſo lange er bei ihm verweile, von ſeinem gewohnten ſtrengen Faſten etwas nachzulaſſen. Sturmi erklärte ſich dazu bereit, indem er bemerkte, er glaube, daß Alles Gott wohlgefällig ſei, was ihm von dem Biſchofe geboten würde. Hierauf ließ Bonifacius ein Mahl auftragen und nachdem Beide ſich durch Speiſe geſtärkt hatten, führte er ſeinen Eremiten an einen entfernteren Ort, um ungeſtört ſich mit demſelben unterreden zu können. Nachdem er lange Zeit mit ihm über geiſtliche Dinge und die Verdienſte eines gottſeligen Lebens ſich beſprochen, richtete er an ihn auch die Frage, was von ihm in Bezug auf die Erforſchung des Ortes geſchehen ſei?
Sturmi erwiederte, er ſei mit ſeinen Gefährten mehrere Tage hindurch den Fluß Fulda hinaufgefahren, habe aber leider keinen Ort gefunden, welchen er dem Biſchofe zu empfehlen wagen dürfte. Als nun Boni⸗ facius vernahm, daß der von Gott beſtimmte Ort noch nicht aufgefunden ſei, rief er mit prophetiſchem Tone: „In jener Einöde hält Gott einen Ort für euch zur Wohnſtätte bereit und Chriſtus wird ihn, ſobald es


