Aufsatz 
Bemerkungen zu Eigil's Nachrichten über die Gründung und Urgeschichte des Klosters Fulda
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

junge Sturmi verband mit einem tiefen Gefühle einen ſcharfen, durchdringenden Verſtand; in ſeinen Reden zeigte er ſich klug und vorſichtig; ſchön war ſeine Geſtalt und geſetzt ſein Gang; ſein Wandel war unbefleckt und ſein Benehmen voll Anſtand; ſein lebhaftes Weſen, welches verbunden war mit Freundlichkeit, Demuth und Beſcheidenheit, gewann ihm Aller Herzen. Nicht lange Zeit hatte ſeine Vorbereitung für den geiſtlichen Stand gedauert, als er nach dem einſtimmigen Wunſche der Diener Gottes die heiligen Prieſterweihen empfing, und nun begann er ſegenvoll zu wirken durch Verkündigung des göttlichen Wortes und Spendung der heiligen Sacramente ſowie durch ſeinen gottſeligen Wandel und die Kraft ſeines Beiſpieles in Milde und Sanftmuth, in Langmuth und chriſtlicher Geduld. Wo er ſich zeigte, da entflammte er Alle mit den Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, und wo er Haß und Zwieſpalt herrſchen ſah, da ver⸗ ſöhnte er die Streitenden und gebot ihnen, die Sonne nicht untergehen zu laſſen über ihrem Zwiſte und zurückzukehren zu Liebe und Frieden.

So hatte er faſt drei Jahre als Prieſter, trrdigend und taufend, zum Segei der Menſchen gewirkt, als ihn durch göttliche Eingebung eine mächtige Sehnſucht ergriff, in der Einſamkeit Gott zu dienen und ein noch ſtrengeres Leben zu führen als bisher. Als er dieſen Entſchluß, nachdem er ihn reiflich erwogen, dem frommen Biſchofe, ſeinem geiſtlichen Lehrer, entdeckte, lobte dieſer des jungen Prieſters Vorhaben, in welchem er göttliche Eingebung erkannte, gab ihm noch zwei Gefährten an die Seite, rüſtete die künftigen Einſiedler mit allem Erforderlichen ſorgfältig aus und entließ ſie mit dem Segen ſeines Gebetes und mit folgenden Worten:So ziehet denn hin in dieſe Einöde, welche Bochonia heißt und ſuchet in derſelben einen Ort, welcher geeignet iſt, den Dienern Gottes zur Wohnſtätte zu dienen; denn mächtig iſt der Herr, ſeinen Dienern eine Stätte zu bereiten in der Wüſte. n

Die drei Gefährten zogen nun in die Einöde, in welcher ſie faſt nichts als Himmel und Land und ungeheure Bäume erblickten, und flehten in Demuth zum Heilande, daß er ihre Füße auf den Weg des Friedens lenken möge. Am dritten Tage gelangten ſie an den Ort, welcher jetzt den Namen Hersfelt(Hersfeld)* führt. Sie beſahen und erforſchten die Umgegend, baten dann den göttlichen Heiland, daß er ihnen den Ort zur Wohnſtätte ſegnen wolle und erbauten auf der Stelle, wo jetzt ſich das Kloſter befindet, kleine Hütten, welche ſie mit Baumrinde deckten. Hier verweilten ſie nun einige Zeit und dienten Gott mit frommem Faſten, Wachen und Beten. 1 tf Nach einiger Zeit jedoch wurde Sturmi von heftiger Sehnſucht ergriffen, den heiligen Erzbiſchof Bonifacius wiederzuſehen, und er brach zu ihm auf aus der Einöde, beſchrieb ihm genau und ausführlich die Lage des Ortes, die Beſchaffenheit des Bodens, den Lauf des Waſſers, die Quellen und Thäler und Alles, was zu dem Orte in Beziehung ſtand. Bonifacius, der ſeinen Eremiten mit freundlicher Liebe bei ſich aufgenommen und den Bericht desſelben mit Aufmerkſamkeit angehört hatte, bat ihn, eine Zeitlang bei ihm zu verweilen, und, nachdem er eine freundliche Unterredung mit ihm gepflogen und aufmunternde Worte aus der h. Schrift an ihn gerichtet hatte, ſprach er:Den Ort, welchen ihr aufgefunden habt, werdet ihr, fürchte ich, wegen der Nähe des barbariſchen Volkes nicht bewohnen können; denn unfern desſelben wohnen, wie dir bekannt iſt, die wilden Sachſen. Suchet euch daher einen entfernteren und tiefer in der Finbde. liegenden Ort, welchen ihr ohne Gefahr bewohnen könnet.

Nachdem Sturmi dieſe Worte ſeines geliebten Lehrers vernommen, begab er ſich, durch den frammen Zuſpruch desſelben aufgerichtet, freudigen Muthes wieder in die Wüſte, um von neuem den erſehnten Ort aufzuſuchen. Er fand ſeine Gefährten noch in ihren Hütten, wo dieſelben mit bekümmertem Gemüthe ſeiner Wiederkehr harrten. Er brachte ihnen von dem Biſchofe freundliche Grüße und erheiterte ihr Gemüth durch