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mannes und Verwandten,*²) der länger als zwanzig Jahre ſein Lehrer geweſen war, alſo um das Jahr 780, und zwar, wie er in dem an die Jungfrau Angildruth,**) von welcher er zur Abfaſſung dieſes Werkes aufgefordert worden war, gerichteten Prologe angibt, nach den Mittheilungen glaubwürdiger Zeugen oder auch nach eigenen Erlebniſſen,***) zu welchen letzteren namentlich ſeine Theilnahme an dem Auszuge der Mönche, welche den Leichnam des heil. Bonifacius vor dem verheerenden Zuge der Sachſen in Sicherheit brachten (778) und die letzten Augenblicke des heil. Sturmius gehören. Das Werk zeichnet ſich außer den erwähnten Eigenſchaften auch durch Anſchaulichkeit, Lebendigkeit und Wärme der Darſtellung vortheilhaft aus und namentlich müſſen die Erzählungen von Sturm's Verbannung, ſeiner Begegnung mit Pippin in der köͤnig⸗ lichen Hofcapelle, ſeiner Rückkehr nach Fulda ſowie von ſeinen letzten Augenblicken zu dem Anziehendſten gerechnet werden, was uns die mittelalterliche Hiſtoriographie überhaupt aufbewahrt hat. Auch die Genauigkeit der Lebensbeſchreibung in chronologiſchen und geographiſchen Angaben verdient als ein weſentlicher Vorzug
derſelben hervorgehoben zu werden. Zu bedauern iſt, daß ſich von dem ſo wichtigen Werke Eigil's, welches bei den Mönchen des Kloſters
Fulda, denen es zur Prüfung vorgelegt worden war, mit Recht in großem Anſehen ſtand und bei Tiſche ſehr oft zur Erbauung und Belehrung vorgeleſen wurde, aus den erſten Jahrhunderten nach ſeiner Abfaſſung keine Handſchrift erhalten hat, indem von den beiden vorhandenen Handſchriften die eine, der Heilbronner Codex, welche ſich auf der Univerſitätsbibliothek zu Erlangen befindet, dem 13. Jahrhunderte angehört, die andere, der Bamberger Codex, erſt im Jahre 1417 geſchrieben iſt. Nach der letzteren Handſchrift veranſtaltete Brower die aͤlteſte Ausgabe in den Sideribus Germaniae(Mainz 1616), welchem Surius Vilae S. S. ad 17. Dec.,
Ratgar's Härte und andere widrige Umſtände unterbrochene ſegenvolle Wirkſamkeit als Vorſteher der Kloſterſchule wieder auf, welche bald in neuem Glanze erblühte. In inniger Freundſchaft lebte der Abt mit dem gelehrten Hraban, mit welchem er oft über wiſſenſchaftliche Gegenſtände ſich unterhielt, und volle Einigkeit herrſchte im Kloſter Fulda unter ſeiner weiſen Ver⸗ waltung. Einer der ſchönſten Züge aus Eigil's Leben iſt, daß er es war, der bei Kaiſer Ludwig dem Frommen die Zurück⸗ berufung ſeines Vorgängers Ratgar aus der Verbannung eifrig betrieb, obgleich er von dieſem einſt wegen ſeiner Kränklichkeit aus dem Kloſter vertrieben worden war; was den Kaiſer, als er den Bitten des edlen Abtes endlich nachgab, zu der Aeußerung veranlaßte, das heiße in Wahrheit nach dem göttlichen Gebote ſeine Feinde lieben. Eigil ſtarb am 15. Juni 822(Enhard Ann b. Pertz I, 357 u. Catal. Abb. Fuld. b. Schannat Cod. Prob. p. 2 und b. Böhmer Font. Rer. Germ. III, 162). Sein Leben ſchrieb im Auftrage Hraban's der Mönch Candidus und zwar ſowohl in Proſa als in Verſen(beide Werke bei Schannat Cod. Prob. p. 88— 114).— Die Namensform„Eigil“ habe ich vorgezogen, da Eigil ſich ſelbſt ſo ſchreibt und auch in den Annalen des Kloſters Fulda der Name ſo geſchrieben wird, während von ſeinem Biographen Candidus Aeigil, von Andern Aegil oder Egil geſchrieben wird. Der Name Eigil dürfte in der eigentlich deutſchen Geſchichte nicht wieder vorkommen, deſto häufiger erſcheint er in der ſkandinaviſchen und namentlich finden ſich in der nordiſchen Heldenſage und den Skaldenliedern mehrere Helden, welche den Namen Eigil führen. Auch der ſagenhafte König von Trier, der Vater Orendel's, führt den Namen Eigil. Die urſprüngliche althochdeutſche Form des Namens war wohl Agil(vgl. Agilmar, Agilmunt), welche ſpäter in Egil umlautete(vgl. Egilbert, Egilfrid).
*) Daß Eigil ein Verwandter und Landsmann Sturm's geweſen, ſagen nicht blos ſpätere Schriftſteller, ſondern bereits Candidus(Vita Eig. b. Schannat p. 89).
**) Daß ſie eine Nonne geweſen, iſt gewiß, da ſie Eigil im Prologe eine Braut Chriſti nennt; daß ſie einem der Klöſter Kitzingen oder Biſchofsheim angehört habe, iſt eine Vermuthuug Brower's.
***) Eigil's Worte in der Vorrede(Pertz II, 366) lauten: quemadmodum a viris satis fidelibus, immo vasis Christi, illius viri(Sturmi) principia et conversationem(Lebenswandel) et fundamina praedicti monasterii agnovi, huic ut potui libello ingessi, necnon et earum rerum diversitates quas istius saeculi cursus indesinenter patitur, sicut ips orum relatu vel meo obtutu expertus sum, similiter inserui. Nam et ego Eigil in discipulatu illius plus quam viginti annos conversatus sum, et sub ipsius coenobii disciplina ab infantia usque in hanc aetatem nutritu⸗ et eruditus sum, Quapropter nonnulla eorum quae scripsi, vidisse me testatus sum.


