Aufsatz 
Bemerkungen zu Eigil's Nachrichten über die Gründung und Urgeschichte des Klosters Fulda
Entstehung
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Bemerkungen zu

Eigils Nachrichlen über die gründung und Argeſchichte des Nloſlers Julda.

De von dem heil. Eigil verfaßte Vita Sancti Sturmi, die bedeutendſte und reichhaltigſte Quelle der Urgeſchichte Fulda's, gehört zu denjenigen nicht ſehr zahlreichen biographiſchen Werken des früheren Mittel⸗ alters, welche neben der den meiſten Schriften dieſer Gattung ausſchließlich eigenen panegyriſch⸗ascetiſchen Tendenz auch die Aufgabe eigentlicher Geſchichtſchreibung zu löſen ſich vorſetzen und durch verſtändige Aus⸗ wahl und Behandlung des Stoffes, durch Wahrheitsliebe und Genauigkeit, durch Einfachheit und Würde der Darſtellung ſowie endlich durch das Streben nach Reinheit und Nichtigkeit des ſprachlichen Ausdruckes von dem im Zeitalter Karl's des Großen neu aufblühenden wiſſenſchaftlichen Geiſte und Leben ein ſehr erfreuliches Zeugniß ablegen. Eigil, der dem um die Pflege chriſtlicher Cultur in unſerem Vaterlande ſo hochverdienten Kloſter Fulda, als vierter in der Reihenfolge ſeiner Äbte, zwar nur kurze Zeit(818 822), aber mit ruhm⸗ voller und ſegensreicher Thätigkeit vorſtand und jedenfalls einer der edelſten und liebenswürdigſten Männer war, welche auf dem ehrwürdigen Boden Fulda's zur Ehre Gottes und zum Heile der Menſchheit gewirkt haben,*) ſchrieb das genannte Werk ohne Zweifel bald nach dem Tode des heil. Sturmius, ſeines Lands⸗

*) Eigil wurde, nachdem 817 Ratgar, der dritte Abt des Kloſters Fulda, ſeiner Würde entſetzt worden war, 818 in hohem Alter zum Abte gewählt(Enhardi Fuld. Ann. a. 817 u. 818, bei Pertz 1, 356). Die erſte Urkunde, in welcher er als Abt aufgeführt wird, iſt vom 18. Febr. 819(Dronke Cod. Dipl. Fuld. Nro. 379, p. 171); die beiden 1 etzten Urkunden, deren Datum ſich beſtimmt ermitteln läßt, ſind vom 24. Mai 819(Dronke Nrr. 396 u. 397, p. 179 u. 180). Von zwei andern Urkunden, welche gewöhnlich für jünger als jene beiden gehalten werden(Dronke Nrr. 308 u. 399, p. 180), hat die erſte ein offenbar falſches, die zweite gar kein Datum. Die erſte Urkunde, in welcher Hraban, Eigil's Nachfolger, als Abt erſcheint, iſt vom 28. Oct. 822(Dronke Nr. 400, p. 181). Eigil ſuchte die auf ihn gefallene Wahl zum Abte, da er von Körperleiden gedrückt war, anfangs abzulehnen, entſchloß ſich aber endlich auf dringende Bitten ſeiner Ordensbrüder, bei welchen er wegen ſeiner Frömmigkeit, Gelehrſamkeit und Sittenreinheit in hohem Anſehen ſtand, das ihm übertragene Amt anzunehmen, welches er mit großer Auszeichnung verwaltete. Er vollendete den durch Ratgar's Abſetzung unterbrochenen Aus⸗ bau der Hauptkirche, welche er mit zwei unterirdiſchen Gewölben(Krypten) verſah, und am 1. November 819 erfolgte mit großer Feierlichkeit durch den Erzbiſchof Heiſtolph von Mainz die Einweihung der neuen Kirche und die Translation der Gebeine des h. Bonifacius in die öſtliche Krypte. Eigil iſt auch der Erbauer der berühmten St. Michaelskirche zu Fulda, jenes höchſt merkwürdigen Denkmals echtkarolingiſchen Bauſtils, deren Wiederherſtellung zur Freude aller Verehrer chriſtlicher Kunſt, unter der ausgezeichneten Leitung des Herrn Prof. Dr. Lange, im laufenden Jahre vollendet worden iſt(ogl. Kugler, Handbuch der Kunſtgeſchichbe, S. 357, beſonders aber Lange, die St. Michaelskirche in Julda. Eine Beſchreibung und geſchichtliche Darſtellung dieſer Kirche mit den bei ihrer Reſtauration leitend geweſenen Grundſätzen). Auch den Bau eines neuen Kloſters begann der unermüdete Eigil, doch erlebte er nicht deſſen Vollendung. Unter Eigil undm Pindon ſeine durch