Aufsatz 
Der Bruderkrieg der Söhne Ludwig's des Frommen und der Vertrag zu Verdun / nach den Quellen dargestellt von Karl Schwartz
Entstehung
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94 Neuntes Capitel.

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Karl's Eeldzug nach Aquitanien. Tod der Kaiserin Judith. Zusammenkunft der kõniglichen Brüder in Verdun. Unruhen in der Bretagne. Raubzige der Normannen. Der Vertrag zu Verdun. Die

arolingisellen Theilreiche. Bestandtheile, Grünzen und gegenseiliges LVerhältniss der drei Reiche. michtigkeit des Vertrages zu Verdun, für das deutsehe Volk insbesondere.

adilssdäün Sohlusstwort iber Hünig Ludluig den Deutsehen.

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Wührend Lothar in Aachen sorglos den Ausgang der Theilungsverhandlungen erwartete und Ludwig im Innern seiner Staaten sich friedlichen Deschäftigungen widmete, war Rarl bemüht, sci- nem königlichen Ansehen in Aquitanien, durch Unterwerfung Pippin's, Anerkennung zu verschaffen. Sein Aufenthalt in diesem Lande war für ihn eine Zeit harter Prüfungen und erfolgloser Bestre- bungen. Der RKaiserin Judith, welche ihr ganzes Leben hindurch für die Erhöhung ihres Sohnes unermüdet thätig gewesen war und an allen Begebenheiten ihrer Zeit den eifrigsten Antheil genom- men hatte, war es nicht beschieden, den Liebling ihres IIerzens endlich im ruhigen und unangefoch- jenen Besitze seiner Ierrschermacht zu schen und das wichtige Ereigniss zu erleben, durch welehes dem Rampfe zwischen ihren Söhnen endlich ein Ziel geseizt wurde. Am neunzchnten April 345 endete in Tours der Tod ihr wechselvolles Leben, welehes gröſstentheils durch ihre Schuld von so vielen Lciden getrübt, von so vielen Stürmen und Gefahren beunruhigt worden war.) 1 8 Das Hinschciden der geliebten AMutter schlug dem Rönige Rarl eine fiefe Wunde und der Schmerz über den harten Verlust konnte wol nicht Vganz ohne Einfluss bleiben auf den Fortgang seiuer aquitanischen Unternehmungen. Von keinem Erfolge, den er errungen, überhaunpt von kei- nem bedeutenden Breignisse, durch welches der Feldzng nach Aquitanien ausgezeichnet gewesen wäre, wissen die Schriftsteller zu berichten. ²) Den gröfsten Theil seines Aufenthaltes in diesem Lande verwendete er wahrscheinlich auf die Belagerung der Stadt Tonlouse, welche seinem Gegner Pippin tren ergeben war; allein es gelang ihm nicht, sieh derselben zu bemächligen ³) und als der

1) Dass sie in Tours starb, sieht man aus Ann. Nant. a. 843 Pertz II, 227; den Tag ihres Todes erfährt man aus einer Urkunde, welche Karl der Martinskirche zur Tours, in welcher die Begrähnissstätte seiner Mutter war, ausstellte, bei Martene vett. script. et monum. ampliss. collect. I, 168. Ueberdies wird Judith's Tod erwähnt im Chron. Aquitan, a. 843 Pertz II, 253 und bei Ademar hist. lib. III Pertz VI, 121. S 2,9.

2) Dass Karl auf diesem Feldzuge wenig oder gar nichts ausrichtete, erkennt man auch daraus, dass er gleich nach dem Abschlusse des Vertrages zu Verdun von uenem nach Aduitanien aufbrechen musste und in diesem Lande einen stärkeren Widerstand fand als je. Sehr unglücklich war für ihn das Jahr 844, in welchem er bedeutende Verluste und namentlich am 7. Juni pei Toulouse eine furchthare Niederlage erlitt, die auch seinem Oheime Hugo, dem Abte von St. Quentin, das Leben kostete. S. Ruod. Fuld. a. 844 Pertz I, 36; Prud. Trec. a. 844 Pertz I, 440. Auch während der folgenden Jahre wirde Karl durch seinen Neffen, der sogar mit den Normannen sich verband und das Christenthum mit dem Heidenthume vertauschte, fast umaufhörlich beunruhigt. Erst im J 864 endete Pippin die merkwürdige Rolle, welche er in der Geschichte gespielt hat; er wurde, als er Toulouse belagerte, gefangen, und weil er sein Vaterland und seine Religion verrathen, zum Tode verurtheilt(patriae et christianitatis proditor). Der Gefangene wurde jedoch nicht hingerichtet, sondern zu strenger Haft auf dus Schloss Senlis gebracht. S. Hincmari Remens, Ann. ad a. 864 Pertz I, 465 und 466. 1 1

3) Die Histoire générale de Languedoo enthält unter den pièces justificatives im Ganzen ächt Urkun- den, welche von Karl während seines Aufenthaltes in Aquitanien ausgestcllt worden sind(I, 77, 78, 79, 80 und 750). Die älteste dieser Urkunden wurde am 29. April auf der Villa Ferrucias(I, 77 n. 57, die jüngste am 20. Juni in dem Kloster St. Saturni bei Toulouse ausgestellt(I, 80 n, 62). Aufser dieser letztgenannten sind unter den acht Urkunden noch vier in dem Kloster St. Saturni ausgestellt, von welchen die älteste vom 13. Mai datirt ist. Karl hielt sich also wenigstens vom 13. Mai bis zum 20. Juni in der Nähe von Toulouse auf. Dass er letztere