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Der Winter des Jahres 342 war eine Zeit des Jammers und der Verzweiflung. Der verderb- liche Rrieg hatte in vielen Gegenden heillose Verwüstungen angerichtet,¹) da man oft, micht Plos um die eigenen Rriegsvölker zu unterhalten, sondern auch um wilde Rache an dem Gegner zu üben, raubte und plünderte; Wohnungen waren eingeäschert, Ernten zerstört; Mangel und Trübsal herrschten fast überall und die ungewöhnlich strenge und andauernde Rälte, unter welcher Menschen uud Thiere Unsägliches litten, steigerte noch das allgemeine Elend. ²2) Rokheit und Verwilderung nalmen immer mehr Ueberhand; alle Bande der geselligen Ordnung waren geloekert. Am kläglichsten war der Zustand der westrhbeinischen Länder, über welche der Rrieg am grausamsten seine harte Geifsel geschwungen. In Gallien erreichte, nach der Versicherung eines gleichzeitigen Sehriftstellers,*) die Noth eine so furchtbare Höhe, dass die Menschen, um nur die Qualen des Hungers zu stillen, ein wenig Mehl mit Erde vermischten und aus dieser ungeniefsbaren Masse eine Art Brod zusammen- kueteten, dennnoch aber selbst an dieser unnatürliehen Nabrung Mangel litten, während Räuber- banden das unglückliche Land ungestraft nach allen Riehtungen hin durchstreiften und für ihre Pferde Futter in Ueberflass hatten. Und als ob in dem von dem Geschicke so hart heimgesuchten Frankenreiche kein Maſs des Unheils gefunden werden dürfte, erhoben sich auch die mit so vieler Strenge kaum unterdrückten Stellinga zu neuer Empörung; ⁴) die Araber, von den Deneventanern bei einem Bürgerkriege zu Ililfe gerufen, traten gegen ihre Schützlinge als Feinde auf und suchten sich durch glückliche Eroberungszüge immer mehr in Unteritalien auszubreiten.5) Anch die Nor- mannen werden ihre Verheerungen nicht unterbrochen und, wie gewöhnlich, insbesondere diei nörd- liche und westliche Rüste Galliens zum Ziele ihrer Raubfahrten gemacht haben. So viele Drangsale konnte man nur als eine Strafe der Gottheit für die begangenen Frevel betrachten und als am füntten November, bis zu welchem Tage die Waſfenruhe von den Bevollmächtigten ausgedehnt worden war, ganz Gallien von einem heftigen Erdbeben erschüttert wurde,) erkannte man in dieser Natur- erscheiuung die Stimme des göttlichen Zornes und die drohende Warnung des Allmächtigen.
Als die Unterhandlungen zwischen den Brüdern durch Gesandte gepflogen wurden, hatte der schreckliche Winter bereits begonnen und während das grenzenlose Elend in einigen Gegenden schon wirklich eingetreten war, ängstigte es in andern die Gemüther durch scine drohende Nähe.*) Die Rönige wünschten die Erhaltung des Friedens; auch die Groſsen des Reiches waren, nachdem sie die Schrecken des Bürgerkrieges einmal kennen gelernt batten, in frischer Erinnerung ihrer
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1) Dass auch Ludwig's und Karl's Heere bei ihren Durchzügen sich der Plünderungen nicht enthielten sieht man aus zwei Stellen der Ann. Xant. a. 842 Pertz II, 227: Ludewicus et Karolus predato pago Vangionensium etc. und weiter unten: Prefati vero reges, vastata omni regione Ripuariorum etc.
2) Nith. IV, 6 Pertz II, 672: Fuit autem eadem hiemps perfrigida nimis ac diuturna, langoribus insuper habundans, necnon et agriculturae pecorique apibusque satis incongrua.
3) Prud. Trec. a. 843 Pertz I, 439: Emergentibus igitur hinc inde tot tantisque incessabiliter malis, vastante passim cuncta raptore, coacti sunt, per multa totius Galliae loca homines terrae mixtam paucitatem farinae atque in panis speciem redactam comedere, eratque lacrimabile imo execrabile nimium facinus, cum iumenta raptorum pabulis abundarent, et homincs ipsius terrenae admixtionis crustulis indigerent.
4) Nith. IV, 6 Pertz II, 671: Eodem etiam tempore Stellinga in Saxonia contra dominos suos iternm rebellarunt.
5) Nith. 1. c. Eodem tempore Mauri a Sigenulfo, fratre Sigihardi, sibi causa subsidii inducti, Beneventum invadunt.— Prud. Trec. a. 842 Pertz I, 439: Interea Beneventanis inter se dissidentibus, Sarraceni ab Africa ab eis invitati, primo quidem auxiliatores, bostmodum vero violenti insecutores, plurimas civitatum vi obtinent.
6) Nith. IV, 6 Pertz II, 671: OQua quidem die terrae motus magnus per omnem poene hanc Galliam factu st.— Prud. Trec. a. 842 Pertz 1, 439: Inter haec terrae motus in 1nertar Na Galliae factus est. 3
7) Nith. IV, 6 Pertz II, 671: hinc inopia, hinc hieme instante,.
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