Aufsatz 
Der Bruderkrieg der Söhne Ludwig's des Frommen und der Vertrag zu Verdun / nach den Quellen dargestellt von Karl Schwartz
Entstehung
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19.

die Vasallen in dem ganzen Gebiete zwischen Seine und Loire theils durch Drohungen seines Zor- nes, theils durch Verheifsungen seiner Gnade oder durch süſse Woarte und Schmeicheleien auf seine Seite bringen sollten, folgte er langsam nach und nahm seinen Weg über Chartres.) Bald zeigte sich der glückliche Erfolg jener Sendungen und als Lothar die Nachricht erhalten hatte, dass die Grafen Teodorich, Erich und andere mächtige Vasallen in diesen Gegenden sich für ihn erklärt hätten und mit ihren Streitkräften zu ihm zu stofsen Willens seien, ²) so stand sein Entschluss fest, bis zur Loire vorzudringen. Aber während er in stolzer Zuversicht auf die Stärke seines Heeres sich der Stadt Orleans näherte, war Rarl bereits ebendahin auf dem Wege.

Rarl hatte allerdings über Pippin nicht unbedentende Vortheile davongetragen*) und, was der nächste Zweck seines Zuges gewesen war, seine Mutter von der drohenden Gefahr befreit;) allein noch war Pippin's Macht nicht gebrochen und Aquitanien noch lange nicht unterworlen. Da ihm aber Lothars schnelles Vordringen einen längeren Aufenthalt nicht gestattete, so sorgte er, so gut er vermochte, für Aquitaniens Sicherheit, liefs in Clermont den Abt Modoio von Autun und den Grafen Authert von Avalon, in Limoges den Grafen Gerard von Auvergne und in Angouleme den Grafen Reinhard zur Vertheidigung der genannten Städte zurück²¹) und setzte sich dann ebenfalls, um Lothar's weitere Fortschritte zu hemmen, gegen die Loire hin in Bewegung.

Unstreitig befand sich Rarl Aawals in einer höchst misslichen Lage. Fast alle westfränkischen Lande, von der Maas bis gegen die Loire, waren in Lothar's Gewalt oder erkannten seine Ober- berrschaft an; Pippin in Aquitanien stand unbesiegt unter den Waffen; auch die tapfern Brittonen,) gegen welche schon Ludwig der Fromme so harte Rämpfe bestanden, hatten jetzt den Bruder- zwist und die Verwirrungen im Frankenreiche frendig benutzt, um das verhasste fränkische Joch abzuschütteln. Das ohnehin nicht bedeutende Ieer, welches er nach Aquitanien geführt hatte, war durch die Besatzungen, welche er in den StäSdten dieses Landes zurücklassen musste, noch melr geschwächt worden und die kleine Schaar, über welche er damals verfügte, stand in keinem Ver- hältnisse zu den grossen Streitkräften, welche ihm Lothar entgegenstellen konnte. Dennoch ver- zagte das trene Häuflein nicht, welches in so harter Noth sein Loos an das seines Rönigs gekettet hatte. Die edlen Männer versammelten sich, um über ihre bedenkliche Lage wit einander Rath zu halten und nachdem sie alle Verhältnisse reiflich erwogen, fassten sie einmütbig den Beschluss,

1) Nith. I. c. praemittens more solito, qui ad defectionem inter Sequanam et Ligerem degentes partim mi- nis partim planditiis subducerent. Ipse quoque, uti consueverat, lento itinere subsecntus, Carnutenam ciritatem tendebat. 2) Nith. 1. c..

8) Nith. I. c. superque Pippinum et suos irruens fuga illos abire compulit. 4

4) Nith. I. c. sagt: Karolus duoque a fuga qua Pippinum et suos disperserat reversus, et quoniam, matrem ubi tuto relinqueret, non habeb at, pariter ad Franciae partes properabant und mit Anführung dieser Stelle sagt auch Luden S. 406, Karl's über Pippin errungener Vortheil sei so gering gewesen, dass er für seine Mutter kei- nen sicheren Aufenthaltsort zu finden gewusst habe. Die angeführte Stelle kann aber unmöglich richtig sein. Nithard will ja die Gründe angeben, warum Karl Aquitanien habe verlassen und Lothar'n entgegenziehen kön- nen. Wie passt aber da der zweite Grund? Gab es für seine Mutter keinen sicheren Aufenthaltsort, so konnte er Aquitanien nicht verlassen und musste zu ihrem Schutze zuriickbleiben. Ich schlage daher vor, das non zu streichen oder in nunc zu verwandeln. Die Stelle hat einen guten Sinn: Karl zog nach Prancien; denn er hatte Pippin's Anhang, wenn auch nicht völlig besiegt, doch zerstreut und konnte seine Mutter jetzt sicher in Aqnita- nien zurücklassen. Dass übrigens Judith wirklich in diesem Lande zuriückblieb, wird der Verlauf der Geschichte zeigen...

8 5) Lupi abbat. Ferrar. epist. 28 ap. Du Chesne Script. Franc. tom. II p. 726. 6) Nith. II, 4 hinc autem Pippinus et hine Brittones infesti eraut.

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