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Gegenden des carbonarischen Waldes!) und den westlich von denselben liegenden Gebieten bei sich eintreffen zu sehen; diejenigen aber, welche östlich von diesen Gegenden wohnten, hatten, von dem Grafen Odulf verführt, ihres Eides vergessen und sich an Lothar angeschlossen. ²)
Plötzlich erhielt KRarl die Nachricht, dass Pippin und seine Anhänger im Begriffe seien, auf Bourges, den Zufluchtsort der Raiserin, einen Angriff zu unternehmen. Da es ihm als erste Pflicht galt, die geliebte Mutter zu schützen, so liefs er einen Theil seiner Getreuen mit der WMeisung in Quierey zurück, dass sie, wenn inzwischen Lothar sie anzugreifen Miene machen würde, ihm nach Aquitanien entgegenkommen sollten, von wo er ihnen dann zu Hilfe eilen würde, und brach un- gesänmt nach Aquitanien anf. Bevor er jedoch Quierey verliefs, schickte er eine zweite Gesandt- schaft, an deren Spitze die Grafen Hugo, Adelhard, Gerhard und Hegilo standen, an Lothar, wel- che den Auftrag der ersten in der eindringlichsten Weise wiederholen und ihn bei dem allmäch- tigen Gotte beschwören sollte, dass er Rarl's Getreue ihrem rechtmäfsigen Rönige nicht ferner ab- truünnig machen und Rarl's Reich, welches diesem durch des Vaters Bestimmungen und mit Lothar's Einwilligung angewiesen worden sei, nicht ferner beunruhigen möge.¹) Dass diese Gesandtsehaft ihren Zweck ebensowenig erreichte wie die frühere, bDraucht nicht erst erwähnt zu werden. Rarl nahte dem stolzen Lothar ja nur mit Bitten und er hatte damals keine Macht in Händen, diesen Ditten durch Drohungen, mit welchen allein auf Lothar gewirkt werden konnte, Nachdruck zu geben.
Inzwischen war Lothar, nachdem er alle Vasallen östlich des carbonarischen Waldes an sich gezogen, über die Maas gegangen“) und hatte dann seine Richtung gegen die Seine genommen. Auf dem Wege dahin fanden sich zwei angeschene Männer, Abt IIilduin von St. Denis und Graf Gerard von Paris, bei ihm ein und gaben den Vasallen dieser Gegenden das Beispiel des Treubruchs und der Eidverletzung.*) Das Beispiel wirktez auch Pippin, der Sohn jeues unglücklichen italischen Rönigs Bernhard, dessen Schicksal oben erwähnt wurde, suchte die Gunst des neuen Raisers und alle übrigen Vasallen strömten zu Lothar, da sie es vorzogen, ihrem Rönige Rarl die Treue zu brechen als um seinetwillen ihrer Lehen und Würden beraubt zu werden. ³)
Lothar sah sich nun an der Spitze einer bedentenden Rriegsmacht; die bisherigen glücklichen Erfolge schienen ihn zu der Erwartung zu berechtigen, dass er auch die Lande zwischen Seine und Eoire leicht in seine Gewalt bekommen werde und voll kühner IHoffnungen überschritt er die Seine.*) Vielleicht hatte er sogar die Absicht, wie in ununterbrochenem Siegeszuge bis nach Aquitanien vor- zudringen und in diesem Lande, mit seinem Neffen Pippin verbunden, Rarl's Schicksal zur Ent- scheidung zu bringen. Nachdem er seiner Gewohnheit gemäfs Gesandte vorausgeschickt hatte, welche 1) Die silva Carbonaria(Kohlenwald), zwischen Maas und Schelde, ist ein Theil der Ardennen. Ueber Lage und Ausdehnung dieses Waldes spricht ausführlich Herm. Müller in: Der lexsalica u. s. w. Alter und Heimat§. 13 ff.
2) Nith. I. c. et a Carbonariis et infra ad se venzentes benigne suscepit. Extra vero Herenfridus, Gisleber- tus, Bovo et ceteri ab Odulfo decepti, firmatam fidem negligentes, defecerunt. Vielleicht ist statt infra wegen des folgenden, ihm offenbar entgegengesetzten, extra zu lesen intra. Zum richtigen Verständniss dieser Stelle kann übrigens die folgende in cap. 3 dienen: Per idem tempus cum Lodharius a Ludhuwico reverteretur, et om- nes citra CGarbonarias ad illum venirent etc.
3) Nith. II, 3: nec non et pro Deo deprecatus est, ne suos sibi subtrahens, regnum quod Deus paterque Ssuo consensu illi dederat, amplius Aiss Nohe— 224
4) Diese Vasallen mussten ihm also über die Maas entgegengezogen sein und setzten dann mit ihm von neuem über diesen Fluss.— 5) Nith. I. c. a Karolo deficientes, fide frustrata ad illum venerunt.
6) Nith. I. c. elegerunt potius more servorum fidem omittere, iuramenta contempnere, quam ad modicum tempus facultates relinquere etc.— 7) Nith. 1. c. magnanimis effectus, Sequanam excessit. 3


