Aufsatz 
Der Bruderkrieg der Söhne Ludwig's des Frommen und der Vertrag zu Verdun / nach den Quellen dargestellt von Karl Schwartz
Entstehung
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unter den Denkmälern mittelalterlicher Historiographie Anspruch wachen. Die beiden Gesandten gaben sich alle Mühe, um Lofhar'n friedliche Gesinnungen gegen ihren Rönig einzuflöſsen. Ilit den eindringlichsten Worten riefen sie ihm seine Eide in's Gedächtuiss zurück, ermahnten ihn, den letzten Willen scines Vaters, zufolge der von ihm eingegangenen heiligen Verpflichtungen, in Ehren zu halten, und das Erbe seines Bruders nicht anzutasten, sondern sich mit dem Antheile zu hegnügen, der ihm durch die Bestimmungen des Vaters zuerkannt worden sei. Nie möge er ver- gessen, dass er Rarl's Bruder sei und dass er einst, als dessen Taufpathe, so heilige Pflichten über- nommen habe. ¹) WVas er hereits gegen Rarl unternommen, wolle ihmn dieser von ganzem Herzen verzeihen; nur möge er dessen Unterthanen in Treue und Pflicht gegen ihren rechtmäſsigen König nicht ferner erschüttern und Rarl im Besitze dessen nicht ferner stören, was ihm nach göttlichem und menschlichem Rechte zukomme. Rarl wünsche nichts schnlicher als mit ihm in friedlicher Ruhe und brüderlicher Eintracht leben zu können und er werde, wenm ihn nur Lothar im Besitzé seines Eigen- thums lieſse, diesem stets unwandelbare Trene und diejenige Unterwürſigkeit beweisen, zu welcher er gegen ihn als seinen ülteren Bruder verphlichtet sci. ²) Dies sei ihres Röniges fester Entschluss und aufrichtiger Wille und wenn Lothar nicht geneigt sei, diesen Versieherungen Glauben beizumes- sen, so seien sie, die Gesandten, ermächtigt, ihm im Namen ihres Röniges jede Gewährleistung zu geben, welche er verlangen werde. Loihar hörte die Gesandten mit gewohnter Verstellung freundlich an, erwiederte ihnen aber nichts, was sich auf den Inbalt ihrer Sendung bezogen hätte und entliefs sie mit dem Auftrage, seinen Bruder Rarl auch seiner Freundschaft zu versichern und demselben zu sagen, dass er ihm auf seine Anträge durch eine besondere Gesandtschaft Antwort ertheilen werde.) Ueber Lothar's wahre Absichten und Gesinnungen aber konnten Rarl's eigene Gesandte ihrem RKönige die beste Aufblärung geben; denn er hatte sich nicht gescheut, dieselben zum Treubruch verleiten zu wollen und als seine Verführungskünste an der ehrenwerthen Gesinnung dieser braven Männer zu Schanden

geworden waren, dieselben aller Lehen und Würden verlustig erklärt, welcbe ihnen, Raiser Lud- wig der Fromme einst verliehen hatte. 4) 86 1f10 Iuzwischen erhielt Rarl Gesandte von den Vasallen aus den Gebieten zwischen Maas und Seine, welche ihn baten, dass er ihnen so schnell als möglich zu Hilfe cilen möge, bevor sie von Lothar überfallen würden, und ihm die Versicherung ertheilten, dass sie ihn als ihren Rönig zu empfangen und ihm ank jede Weise Deistand zu leisten bereit scien. Unverzüglich setzte sich Rarl nach den genannten Gegenden in Bewegung. Nur ein kleines Ieer hatte er damals zu seiner Verfügung; denn ein groſser Theil seiner Streitkräfte musste zur Vertheidigung Aquitaniens und zum Schutze der Raiscrin Judith, welche ihren Aufenthalt in Bourges genommen, zurückbleiben. Als er auf

dem königlichen Schlosse Quicrey an der Oise anlangte, hatte er die Freude, die Vasallen aus den

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1) Nith. II, 2: Insuper etiam fraternae filiollqure conditionis meminerit. 4.*

2) Nith. II, 2: promittens, si hoc faceret, fidelem se illi ac subiectum fore velle, ita ut primogenito fratri esse oporteret. Man wird beachten, dass Karl bei allen Versicherungen der preundlschaft doch kein Wort davon sagt, dass er Lothar als Kaiser anerkennen wolle. 8 6

3) Nith. I. c. Quae quidem Lodharins simulans se benigne suscipere, legatos tantum salutationis causa re- dirę permisit, ac per suos se responsutrum de ceteris esse respondit.

4) Nith. 1. c. Iusuper etiam, quoniam ad ipsum se vertere frustrata fide noluerunt, honoribus quos pater

illis dederat privavit; ita, quid fratri facere cogitaret, nolens indicium dabat, 3