Aufsatz 
Der Bruderkrieg der Söhne Ludwig's des Frommen und der Vertrag zu Verdun / nach den Quellen dargestellt von Karl Schwartz
Entstehung
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folg seines Unternehmens durch gröfstmögliche Schnelligkeit gesichert werden könne, so überschritt er sofort mit seinem ganzen Heecre den Rhein und nahm seine Richtung auf Frankfurt. ¹)

Allein inzwischen hatte auch Ludwig auf die Runde von Lothar's raschem Vordringen nicht gesäumt, den bedrohten Gegenden zu Hilfe zu eilen und an der Spitze einer bedeutenden Schaar ostfränkischer Krieger ²) erschien er fast gleichzeitig mit Lothar bei Fraukfurt. So standen sich denn beide Brüder plötzlich bewaffnet gegenüber; allein schon nahte der Abend und um so mehr waren beide geneigt, bevor sie zum Schwerte griffen, den Weg friedlicher Unterhandlungen zu versuchen. Beide bezogen daher mit ihren IIecren abgesonderte Lager und zwar blieb Lothar bei Frankfurt, Ludwig aber nahm seine Stellung hei dem Einflusse des Mains in den Rhein. ¹) Von den Unterhandlungen, die zwvischen den beiden Brüdern stattfanden, kennen wir nur das Ergebniss, nicht den Inhalt. ⁴¹) Ludwig trat den Anmaſsungen seines Bruders mit der ruhigen Festigkeit ent- gegen, welche ein Hanptzug seines Charakters warz er wusste, dass Lothar da, wo er auf der Seite des Gegners Nachgiebigkeit gewahrte, immer noch weiter ging in seinen Forderungen und er lieſs daher von dem, worauf er mit Recht Ansprüche machen zu können glaubte, auch nicht das mindeste nach.*) Lothar setzte gröſßseres Vertraueu in seine Unterhandlungskunst als in sein Schwert; da er nun jene fruchtlos angewvandt, schien es ihm hedenklich, diesem die Entscheidung seiner Sache zu überlassen und sein Schicksal von dem Ausgange einer Schlacht abhängig zu machen. Daher gab er den Rampf für jetzt auf und beschloss, zuvor seinen Bruder Rarl, von welchem er einen minder heftigen Widerstand erwartete, zu überwinden und sich dann mit verstärkter Macht auf Ludwig zu werfen. Auch dieser, der keinen Rampf scheute, wo es galt, die Feinde des fränkischen

1) Hier hatte sich um die königliche Villa allmählig eine kleine Stadt gebildet, welche sich besonders durch die Kirchenversammlung unter Karl dem Groſsen schnell emporhob, aber erst unter der Regierung Lud- wig's des Deutschen, der sie sehr begünstigte, grölsere Bedeutung erlangte. 4 4

2) Ruod. Puld. Ann. ad a. 840 Pertz I, 362: cum manu valida orientalium Francorum. 1

3) Nith. 1. c. Quo(Pranconofurth) insperate hine Lodharius, inde Ludhuwicus confluunt; paceque sub nocte composita, alter inibi, alter vero quo Moin in Renum confluit, castra haud fraterno amore componunt. Obgleich Euden Bd. 5 S. 626 diese Stelle anführt, so begeht er dennoch den auffallenden Irrthum, Ludwig Frankfurt besetzen und Lothar seine Stellung an der Mainmündung nehmen zu lassen, da doch aus jener Stellung das Gegentheil hervorgeht. Wenn nun Luden, durch seinen Irrthum veranlasst, fortfährt:Ohne Zweifel hoffte er (Lothar) durch diese Nachgiebigkeit in einer kleinen Sache seinen Bruder desto leichter zur Nachgiebigkeit in einer grofsen Sache zu bewegen, so hat dies offenbar keinen Sinn. Von einer Nachgiebigkeit auf Lothar's Seite kann keine Rede sein und über den Zusammenhang kann, dächte ich, nach Nithard's Darstellung kein Zweifel obwalten. Lothar kam ohne Zweifel etwas früher iu Frankfurt an als Ludwig und nahm von diesem Orte Besitz. Als sich nun die Brüder bei Anbruch der Nacht vorläufig trennten, um später mit einander Unterhandlungen zu pflegen, und wegen ihrer feindlichen Gesinnung(haud fraterno amore) ein gemeinschaftliches Lager nicht bezichen wollten und konnten, so musste Ludwig sich einen andern Lagerplatz suchen und er wählte denselben in nicht zu groſser Entfernung von Lothar, um die Unterhandlungen nicht zu erschweren, aber auch nicht in zu groſser Nähe, um sich nicht der Gefahr eines Ueberfalls von Seiten Lothar's, dem er nicht traute, auszusetzen.

4) Luden sagt S. 405:Ludwig bestand fest auf seiner Forderung des unabhängigen Besitzes aller teut- schen Länder auf der rechten Seite des Rheines. Dies durfte er nur als seine Vermuthu ng aussprechen, da kein Schriftsteller von Ludwig's Forderungen etwas sagt. Allerdings konnte Ludwig jetzt, wo ihm Lothar noch unbesiegt gegenüberstand, seine Ansprüche nicht so hoch stellen, wie es später nach errungenem Siege geschah. Doch bleibt es immer möglich, dass er schon damals alle reindeutschen Länder auf der linken Rheinseite ver- langte, die er schon unter seinem Vater besessen hatte..

5) Nith I. c. Cumque Lodhuwicus viriliter resisteret et Lodharius illum absque proelio sibi suhigere diffi- deret, sperans Karolum facilius superari posse, ea pactione praelium diremit etc. Die Annales Nantenses ad a. 840 Pertz II, 227 erwähnen diese Begebenheiten in folgender Weise: Postea vero Lotharius imperator profeo- tus est de Italia in Franciam, concessum sibi a patre possidere regnum. Cui contraveniens predictus Ludewicus frater illius, iterum intercapere regnum orientale; sed superventente Lothario, ultra Renum flumen, vix sine bello discesserunt a se. z.