Aufsatz 
Der Bruderkrieg der Söhne Ludwig's des Frommen und der Vertrag zu Verdun / nach den Quellen dargestellt von Karl Schwartz
Entstehung
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der Rarl zu hintergehen und demselben seine wahren Absichten zu verbergen, ist, wenn auch die Geschichtschreiber über diesen Punct schweigen, keineswegs wahrscheinlich. Mochte auch Rarl, damals ein siebenzehnjähriger Jüngling, ohne Welterfahrung und ohne hervorstechende Geistesga- ben, leicht zu täuschen sein; so waren doch in seiner Umgebung viele Männer von ausgezeichneter Rlugheit und reichen Erfahrungen, welche Lothar's Charakter kannten und dessen Entwürfe durch- schauen mussten. Auch liefs die Bitte, welche dieser in Bezug auf Pippin an Rarl gerichtet hatte, nur zu deutlich die Absicht erkennen, sich in seinem Neffen einen Bundesgenossen für den mit Rarl bevorstehenden Rrieg zu erhalten, und so die Kräfte des Letzteren zu theilen. Mochte aber Rarl Lothar's wahre Absicht durchschauen oder nicht, für jetzt konnte er nichts weiter unterneh- men und es blieb ihm nichts übrig als Lothar's fernere Handlangsweise abzuwarten.

Lothar begann nun sonder Verzug den Rrieg gegen Ludwig den Deutschen. Dieser hatte, seitdem er in sein Rönigreich zurückgekehrt war, ebenfalls keine geringe Thätigkeit entwickelt, um seinem Unternehmen eiuen besseren Erfolg zu sichern, als er demselben bis jetzt zu Theil geworden war. Auch das tapfere Volk der Sachsen hatte er für sich zu gewinnen gesucht und eben war er einem sächsischen Hilfsheer entgegengezogen, um sich an dessen Spitze zu stellen.*)

Dass Ludwig nicht persönlich die Vertheidigung der Rheingegenden leiten konnte, war ein für Lothar sehr günstiger Umstand. Die Stadt Worms ²) war nur von wenigen Truppen Ludwig's be- setzt, welche, als Lothar's Heer vor derselben erschien, nach einem schwachen Widerstande die Flucht ergriffen. ³) Lothar hielt seinen Einzug in die Stadt und da er erkannte, wie sehr der Er-

1) Nith. l c. Saxonibus sollicitatis, obviam illis perrexerat. 2) In Worms erschien bei Lothar auch der ehemalige Erzbischof Ebo von Rheims, der in den traurigen

Wirren unter Ludwig's des Frommen Regierung eine so merkwürdige Rolle gespielt hatte. Als Lothar's eifriger Anhänger(qui ejusdem factionis velut signifer fuerat Annal. Bertin. ad a 835 Pertz I, 429) hatte er an der Ab- setzung Ludwig's den vorzüglichsten Antheil; allein später erklärte er in der Stephanskirche zu Metz laut und öffentlich, dass er wegen des an dem Kaiser begangenen Frevels seines erzbischöflichen Amtes unwürdig sei und für alle Zeiten auf dasselbe verzichten wolle. Dasselbe Bekenntniss wiederholte er bald nachher zu Thionville liels dem Kaiser eine schriftliche Erklärung seiner Resignation überreichen und lebte fortan als Ga fangener zu Fulda. Als nach Ludwig's Tode Lothar heranzog, um seine Ausprüche auf den Kaiserthron geltend zu machen ehörte Ebo zu den Vielen, welche an Lothar's Thronbesteigung frohe Hoffnungen für ihr künftiges Geschick nüpften und er eilte sogleich nach Worms, um den neuen Kaiser zu bewillkommnen. Lothar nahm seinen chemaligen Anhänger sehr freundlich auf und setzte ihn bald nachher zu Ingelheim feierlich in seine frühere Würde wieder ein. Das Einsetzungsdecret, welches Pertz III, 374 nach Flodoardi historia Remensis mittheilt. ist für die Geschichte nicht ohne Interesse; denn wir lernen aus demselben die angesehenen Geistlichen kennen, welche sich schon damals, im Beginne des Bruderkrieges, auf Lothar's Seite gestellt hatten. Es waren nach demselben in lugelheim gegenwärtig: die Erzbischöfe Otgar von Mainz, Hecti von Trier, Amalwin von Besangon, die Bischöfe Drogo von Metz, Rambert von Brixen, Badaradus von Paderborn, David von Lausanne u. s. w., im Gan. zen 20 angesehene Kirchenfürsten oder designirte Bischöfe und aufserdem noch eine groſse Anzahl Priester. Zu dem Datum des Decrets: in mense Junio 8 Kal. Julii(24 Juni) macht Pertz die Bemérkung: Ex sententia Cointii et Pagii legendum esse videtur: mense Augusto 8 Kal. Sept.(25 August). Und allerdings Faun jenes Datum un- möglich richtig sein. Denn am 20. Juni starb Ludwig der Fromme; die Nachricht musste erst nach Italien kommen, dann schickte Lothar Abgeordnete in alle Theile des Reiches und überschritt nicht eher die Alpen als bis er von dem glücklichen Erfolge seiner Sendungen Kunde erhalten hatte(Nith. II, 1 sagt dies aus drüklioh) Daher konnte Lothar unmöglich schon am 24 Juni die Wiedereinsetzung Ebo's zu Ingelheim vornehmen, ja er dürfte wol kaum schon im Juli nach Worms gekommen sein. Auf seinem Zuge gegen Ludwig kam Lothar ge- wiss nicht nach Ingelheim, sondern er setzte ohne weiteren Aufenthalt bei Worms über den Rhein und hielt daher erst nach seiner Rückkehr die Versammlung zu Ingelheim, welche demnach recht gut am 25 August stattge-

funden haben kann. So passt also das verbesserte Datum in den Zusammenhang der Geschichte. 3) Nith. I. c. Quam ob rem Lodharius parvo conflictu custodes fugere compulit, Renum cum universo ex.

ercitu transiens, Frankonofurth iter direxit.