Aufsatz 
Der Bruderkrieg der Söhne Ludwig's des Frommen und der Vertrag zu Verdun / nach den Quellen dargestellt von Karl Schwartz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12 Raisers hervorgegangen, welehe mitliin mehr auf Berechunngen der Politile als auf Zuneigung zu Lothar gegründet svaren. Man kanndes àls völlig gewiss annelimen, dass Ludwig der- Fromme die Idece von der Einheit der fränkischen Monarchie in dem Sinne, wie sie durch dic Raiserwürde aufrecht erhalten worden war, längst anſgegeben hatte. Dies zcigt auch dicd mehrerwähnte letzte Reichstheilung. au Worms, durchtwelche Lothar seinem Bruder, Rarl völlig Bleichgestellt und jenem keineswegs eine Oberhoheit über diesen eingeräumt warden Zvar. Bis aidseinem Tode än- derte Ladwiguseine Willensmeinang in Bezichung auf das künftige Verhältniss seiner Söhne. zu einander, niht j im Foringsten uudl eratraf keine Bestimmung, in Welcher Lothar'sAnsprüiche auf die kaiserliche: Gewalt eine Stätze hätten⸗ finden können.*), adirl 1tt Mom a t, loliT nad Dennoch beging Ludwig der- Fromme einen groſsèn Fehler Cadneh, dass er auf,z jenem wichtigen Reichstage zu Worms das gegenseitige Nerhältniss den Br ider nicht durch genaue und unzweideutige Bestimmungen festsetzte, was um soinothwendiger erscheinen musste, als man sich zu dem ränke- vollen und ehrgeizigen! Lothar jeder, auch der rechtswidrigsten, Anmafsung versehen konnten An- statt, durch eiue solche ollene Erklärung üher die Eaiserwürde, Lothar's Ausprüchen auch selbst den Sehein von Rechtmäſsigkeit zu entziehen, verschaffte ihm der Raiser, freilich gegen seine Ab- sicht, in der öſfentlichen Meinuung sogar eine Stütze, indem er die grofse Unvorsichtigkeit beging, vor seinem Todenscinem ältesten Sohne seine Rrone und sein Schwert als Geschenk zu bestimmen:) und es konnte nicht lehlen, dass von Lothar's Frennden nnd Anhängern der Uebersendung dieser Reichsinsignien eine dessen Ansprüechen auf die Raisersvürde günstige Auslegung gegeben wurde. Lothar's Ansprüche waren, wir wiederholen es, qurchaus, unbegründet und reehtswidrig. Aber noch schr ersehwert wird seine Schuld dadurch, dass die Dewegründe seines Strebens nicht etwa in der groſsen Idee von der Einheit undh Untrennbarkeit des Reiches, welche. allerdings nur durch Aufrechthaltung der haiserlichen Machitfülle gesichert Werdeu Konnte, zu suchen sind denn jede groſse Idee war seiner kleinen Seele fremd sondern nur inunedeln Leidenschaften, in zügelloser IHHerrschsucht und Ländergier; dass ihn nur der eitle Schimmer der Raiserkrone Dlendete, nielrt die er- habene Aufgabe der Raiserwürde anzog, eiae Aufgabe, welche er gar nicht erkannte und welche zu erfül- len er weder Fähigheit noch guten Willen besafs; dass er ferner nicht dabei stehen blieb, die Oberherr- schaft über seine Bräder in Auspruch zu nehmen, sondern, seinen feierlichen Eidschwüren zum Trolz, auch. selbst die Ländertheilung seines Vaters umzustürzen und namenllich das Erbe RKarl's, den er zu schützen geloht, zu schwälera trachtete; dass er, endlich zur Auslührung seiner Entwürfe

1) Hätte der Rer W eine 8 Werknnuhg vor seinem Tode getroffen, so würde sie sicher nioht unehahat geblieben sein und es würde von derselben namentlich. Erzbischof Otgar won Mainz, Lothars eifriger Anhänger, welcher Zeuge der letzten Lebenstage des Kaisers war,(Vita Hlud. cap. 63 Pertz II, 647) zu Gunsten Lothar's Gebrauch gemacht haben. Dass der Reichstag zu Worms, welchen der Kaiser nicht erlebte, nur durch Ludwig's des Deutschen Widerstand veranlasst wurde, habe ich bereits erwähnt; ohne Zweifel würde dieser Reichstag, wäre er zu Stande gekommen. nur die bereits vorgenommene Theilung bestätigt und harte Maſsregeln SSgen Lufwig be- schlossen, in Lothar's Verhältnissen aber nichts geändert haben.

2) Ruod. Puld. Ann. a 840 Pertz I, 362: Hlotharium vero de Italia sero venientem Franci loco patris eius, super serregnaturum suscipiunt. Hunc enim ferunt imperatorem morientem designasse, ut post selregni Luber. nacula susciperet, missis ei insigniis regalibus, hoc est sceptro imperii et corona. Das ferunt ist wohl au beach- ten, es zeigt, dass der Annalist selbst der Uebersendung der Insignien diese Bedeutung nicht beimisst. Ganz an- ders äufsert sich über den Zweck dieser Zusendung die Vita Hlud. cap. 63 Pertz II, 647: Et Hlothario duidem co- ronam, ensem auro gemmisque redimitum, eo tenore habendum misit, ut fidem Karolo et Judith servaret, et por- tionem regni totam iilli consentiret et tasretur, duam Ds* teste et procerihus palatii ille secum et ante se lar- Lituse ei fuerat 3