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Zweites Capitel.
Lothar's Ansprüchie und Bestrebingen. Prüfung derselben. Er erhebt sich zuam Kampfe fuür das Kaiserthum und die Oberherrsehaft über seine Brüder. Sein Benelhmen gejen Karl. Lothar Jelut bei TForms über den Rhein. Seine Unterhandlungen mit Ludivig bei Franlffurt. Lothar gegen Karl. Mithard und Adelgar als Gesandte bei Lothar. Karl begibt sich von Pourges uach OQuierey. Neue Gesandtschaft Karl's an Lothar. Farl geht naeh Aquitanien. Lothar überschreitet die Maas und Seine und dringt gegen Orleans vor. Unterhandluugen zuwischen Lothar und Karl bei Orleans.
Der Tod Ludwig's des Frommen war für das Schicksal der fränkischen Monarchie von der höchsten Bedeutung und es war voraus zu sehen, dass er die wichtigsten Ereignisse unmittelbar herbeiführen würde. Hatte Ludwig der Deutsche noch bei Lebzeiten seines Vaters zu den Waffen gegriffen, um sich der Gebiete zu bemächtiggen, auf welche er gerechte Ansprüche machen zu dürfen glaubte; so war zu erwarten, dass er sich nach des Vaters Tode noch weniger mit seinem durch den Reichstag zu Worms so sehr geschmälerten Erbtheile begnügen würdc.
Aber die bedeutendste Störung erfuhren die letzten Bestimmungen Raiser Ludwig's gerade von der Seite, von welcher er die nachdrücklichste Vertheidigung derselben erwartet hatte. Der stolze Lothar, den der Vater offenbar so sehr begünstigt, war gleichwol durch das ihm zuerkannte bedeutende Erbtheil nicht zufrieden gestellt. Er hatte es nicht vergéssen, dass ihn der Vater schon im Anfange seiner Regierung zum Raiser und Mitregenten ernaunt, dass ihm einst in Rom der Papst die Raiserkrone auf's IHaupt gesetzt, und das römische Volk ihn mit dem glorreichen Namen Imperator Augustus begrüfst hatte.“) Die Erinnerung an seine frühere erhabene Stellung erwachte nach des Vaters Tode bei ihm in ernenerter Stärke und verdrängte aus seiner Seele alle feierlichen Eide, durch weleche er den letzten Willen seines Vaters treu und gewissenhaft aufrecht zu erhalten gelobt hatte. Der Gedanke, dass seine jüngeren Brüder, aaf welche er einst stolz herabgesehen, ihm nunmehr gleichgestellt sein sollten, war ihm nnerträglich; sein Streben war darauf gerichtet, die durch die väterlichen Anordnungen getrennte fränkische Monarchie als ein Gesammtreich für sich zu gewinnen, und die Oberhoheit über seine Brüder an sich zu reifsen, welche die ihnen über- lassenen Länder nur als Geschenke seiner Gnade hetrachten und als von ihm, dem Raiser, abhän- gige Rönigreiche beherrschen sollten. Vielleicht mochte er glauben, diese scine Ansprüche durch seines Groſsvaters sowie seines Vaters Beispiel einigermafsen begründen zu können. Auch jener
Nonas Maii(5 Mai) stattfinden lässt, die richtige sein. Doch ist wol nicht zu bezweifeln, dass Rudolf das Rich- tige hat; welcher, nachdem er von der Sonnenfinsterniss gesprochen, also fortfährt: Imperator vero illis diebus morbo correptus, aegrotare coepit et per Moenum fluvium navigio ad Franconofurt, inde post dies paucos in in- sulam quandam Rheni fluminis prope Ingilenheim delatus, morbo invalescente, 12 Kal. Jul. diem ultimum clausit. Aus dieser Stelle(Pertz I, 362) sowie aus Vita Hlud. cap. 62 Pertz II, 647: Natura enim deserta suis comitibus, necesse est vita fatiscat. Quod cernens iussit sibi parari habitacula aestiva atque expeditionalia in insula dquadam contigua Mogontiacae civitati, ibique viribus desertus, lectulo sese committit geht auch hervor, dass Ludwig nicht an der Rheininsel landen liefs, weil er die Ueberfahrt nicht aushalten konnte, wie Luden sagt, sondern dass er seinen Aufenthalt auf dieser Insel absichtlich wählte, ohne Zweifel, weil er hier in ruhiger Abgeschiedenheit seine Gesundheit eher wiederherstellen zu können hoffte, um sich dann von hier aus nach Worms zu begeben.
1) Enhardi Fuld. Annal. ad a. 823 Pertz I, 358: Hlotharius invenis, rogante Paschale papa Romam veniens, ab eodem coronatur, et a populo Romano imperator Augustus appellatur. 3


