Aufsatz 
Der Bruderkrieg der Söhne Ludwig's des Frommen und der Vertrag zu Verdun / nach den Quellen dargestellt von Karl Schwartz
Entstehung
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seine Freigebigkeit, um sich mit den Gütern des Staates und der Rronerzu bereichern. Was, aber am meisten zur Verwirrung der Verhältnisse beitrug, waren Ludwig's Reichstheilangen, aus. wet ehen so viel Unheil für den Staat, für ihn selbst und seine Familie Lervorging. 1, 5

Schon die erste wirkliche Theilung der fränk ischen Monarchic, welche. im Sommner 317 auf dem Reichstage zu Aachen erkolgte, war ein groſser politischer Missgriff, dessen traurige Folgen der Raiser nur zu bald empfinden sollte. Er ernannte nämlich scinen ältesten, damals achtzehn- jäbrigen Sohn Lothar zum Raiser und Mitherrscher und die beiden jüngeren, Pippin und Ludwig, zu Königen, jenen von Aquitanien, diesen von Baiern sowie von Rärnthen, DBöhmen und den an- grenzenden slawischen Ländern.) War es nun auch keineswens Ludwig's Absieht, durch diese Anordnung die Einheit des Reiebes, welche vielmehr gerade darch die Raiserhrone vermittelt werden sollte, zu gefährden; hatte er auch die Erbfolge durch geuane Bestimmungen selbst für künftige Geschlechter festgesetzt; so war dennoch diese Reichstheilung in sich unhaltbar, und enthielt über⸗ dies den Stoff zu manigfaltigen Missverhältnissen und Zwistigkeiten. Ganz gegen das Beispiel sei- nes staatsklugen Naters, der weit entfernt gewesen war, seinen ältesten Sohn, zum RKaiser zu er- nennen, hatte Ludwig in dem kräftigsten Mannesalter noch hatte er das Nierzigsta Jahr nicht erreicht sein kaiserliches Ausehen mit einem Reichsgehilfen getheilt, der in seiner zügellosen Ilerrschsncht immer weiter griff und bald sich über den Vater, dessen Hand ihm die Krong aufs Haupt gesetzt hatte, zu erheben trachtete, Dass Lothar seinem Vater völlig gleichgestellt,*) dass ihm auch die Oberhoheit über seine jüngeren Brüder zuerkannt worden war, mussten diese, wenn sie sich auch für jetzt bei ihrer Jugend willig den väterlichen Anordnungen fügten, doch später um so schmerzlieher empfinden, je älter sie wurden und je mehr Lothars persönliche, Un- würdigkeit hervortrat; ja die Bevorzugung des letzteren musste auch auf die Stimmung, der Vasal- len der jüngeren Brüder ungünstig svirken, da diese sich aus dem Verhältniss der Reichsunmittal- barkeit in das mittelbarer Vasallen herabgedrückt sahen. Die erste böse Frucht des Reichstages zu Aachen zeigte sich aber von einer andern Seite. König Bernbard von Italien, Ludwigs Naſte, der seit dem Tode seines Vaters Pippin dieses Land als ein von dem Oberhaupte der fränkischen Mo- narechie abbängites Rönigreich beherrschte, ³) glaubte sich durch seine nähere Abstammung von Rarl dem Grofsen, dessen älterer Sohn sein Vater gewesen war, sowie durch seine Jahre cher zur RKai. serkrouenherechtigt als Lothar und schöpfte aus dessen Erbebung zur Raiserwürde Besorgnisse fůr sein Rönipreich, auf welches Lothar vielleicht cinst Ansprüche machen konnte. Bernhard's Unmuth wurde durch die Aufreizungen einiger Groſsen, welche ebenfalls mit Ludwig's Anorduungen unzu- frieden waren, noch gesteigert und er wagle einen offenen Aufstand gegen seinen Oheim. Allein das unglückseelige Unternehmen endete zu Dernhard's Verderhen. Von dem gröfsten Theile. Seiner

Anhänger treulos Serinseny nchte er die Gnade des erzürnten Raisers;) allein statt derselben 4 1 01

1) ishara Anhales ad a. 817 bei Pertz I p. 204; Chgon. Agise ag. 3 h. a. bei Pertz I p. 312 Charta diyE hei Baluz. I 573. 2) In Uen iien und auf Münzen sollte sein Namen neben Tn9 seines Vaters stehen. Radi berti Vita Walae lib. II cap. 17 bei Pertz II p. 564. 3) Einhardi Vita Karoli M. cap. 19 bei Porh II p. 453; Pirfasde Ann. ad a. 812 und 813 hei Pert⸗ LIp. 199 und 200.

4) Einh. Anu. a. 817 Pertz 1, 204. Thegau cap. 22 Pertz II, 596. Euhardi Puld. Ann. a. 817 Pertz 1. 356 Vita Hlud, cap. 29 Pertz II, 623. 1 3 1*