) 5 §. 2.
Es ſey mir erlaubt, über die angeführten Redens⸗ arten meine Gedanken und Beobachtungen der öffentlichen Prüfung vorzulegen. Ich habe beym Leſen der Claſſiker bemerkt, daß die Alten mit nescio an eben ſo gut ein negatives, als affirmatives Urtheil beſchei⸗ den ausdrücken, und daß daher die Redensart: nescio an ille erraverit, eben ſowohl heisen kann: viel⸗ leicht hat er nicht gefehlt, als: viekleicht hat er gefehlt. Aus dem Context ergiebt ſich, wie es zu nehmen ſey. Wenn damit ein negatives Urtheil beſcherden ausgedrückt werden ſoll, ſo ſteht nescio an für fortassc non, und läßt ſich im Deutſchen auf vielfaltige Art ge⸗ ben: vielleicht nicht, vermutbhlich nicht, wahrſcheinlich nicht u. ſ. w., wortlich aber: ich weiß nicht, ob; denn wenn ich ſage: ich weiß nicht, ob er gefehlt hat, ſo iſt dies eben ſo viel, als: viel⸗ leicht hat er nicht geſehlt, weil beyde Redensarten ein negatives Urtheil mit Beſcheidenheit ausſpre⸗ chen. Iſt aber nescio an beſcheidener Ausdruck eines affirmativen Urrheils, ſo ſteht es für for⸗ tasse*), und kann in n eutſchen überſetzt werden, ent⸗
3 3 *) Ich will aber Nun eintswegs ſagen, daß für fortasse
überall und unbedingt nescio an ſtehen könne. Wenn eine
bloße Moglichkeit, ohne den Nebenbegriff der Be⸗ ſcheidenheit im Urtheile, ausgedrückt werden ſoll, kann man nicht nescio au für kortasse brauchen, z. B.


