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ästhetische und religiöse Bildung kräftig gefördert wird. Doch mit wenigen Worten wollen wir zum Schluß noch andeuten, welch hohen Wert die Aufmerksamkeit für die Bildung des sittlichen Charakters des Menschen hat. Denn dieser ist der Kern der Persönlichkeit, ihn zu ver— edeln, ist die höchste Aufgabe aller Erziehung.
Die gefährlichsten Feinde der Sittlichkeit sind Affekte und Leidenschaften. Aus Gefühlen und Begierden ent- sprungen, können Affekte, z. B. Zorn, Neid, Haß, sich so steigern, daß sie zeitweise die Seele ganz beherrschen, für das verstandesmäßige Uberlegen und das Abwägen von Gründen keinen Raum übrig lassen und somit den Menschen zu Handlungen treiben, die unvernünftig sind und bittere Reue nach sich ziehen. Noch schlimmer ist es, wenn die Affekte durch wiederholte Ausbrüͤche sich steigern und als Leidenschaſten eine dauernde Herrschaft in der Seele des Menschen gewinnen. Dann zerstéren sie die Ruhe unseres Innern und damit das Glück unseres Lebens. Gegen diese Gefahr ist das wichtigste Schutz— mittel die Aufmerksamkeit. Sie kann und soll es dahin bringen, daß kein unedles Gefühl sich in unsrer Brust zu bedenklicher Höhe entwickelt, ohne daß wir es bemerken, kein Affekt in uns erstarkt, dessen wir uns zu schämen haben. Diese wachsame Aufmerksamkeit ist die siegreiche Gegnerin der Leidenschaft, denn sie lenkt die Seele von dem Gegenstande ihrer Erregung ab, indem sie die Er- regung selbst und ihre schlimmen Folgen zum Objekt der Beobachtung macht.— Als Dienerin des kühl abwägenden Verstandes ermöglicht sie es uns, den Entschluß zu fassen, neuen Versuchungen aus dem Wege zu gehen. Ihre Wir- kung soll sein, daß die Stimme der Vernunft immer ge- hört wird, daß sich der sittliche Charakter bildet, der im Widerstreit der Pflicht mit der Begierde den sittlichen Grundsätzen zum Sieg verhilft. Zur Aufmerksamkeit auf die Regungen unsres Seelenlebens mahnt uns das bekannte Wort aus dem griechischen Altertum:„Lerne Dich selbst


