uns interessant vorkommen. Daraus ergibt sich die scheinbar sehr einfache Regel für den Lehrer, den Redner, den Schriftsteller: mache Deinen Vortrag interessant, so wird man Dir aufmerksam zuhören. So kurz und so einfach läßt sich aber die Sache nicht abmachen. Damit ein Gegen- stand, den der Redende mit Geschick und Wärme be-— handelt, interessiere, müssen die Zuhörer ihm ein gewisses Verständnis und Neigung entgegenbringen Diese Dis- position ist aber bekanntlich bei verschiedenen Menschen sehr verschieden. Um uns klar zu machen, welcherlei Dinge uns interessant erscheinen, wollen wir an zwei allgemein bekannte Erzählungen erinnern, von denen die eine an den felsigen Gestaden des Mittelmeers, die andere unter den mächtigen Eichen des deutschen Waldes ent-— standen ist.
Ein griechisches Schiffermärchen berichtet, daß Odysseus mit seinen Gefährten in die Höhle des Polyphem gegangen und aus Neugierde dort geblieben sei, um die Rückkehr des abwesenden Herrn zu erwarten. Das riesenhafte Un- geheuer erscheint, und die Griechen flüchten entsetzt in den hintersten Winkel der finstern Höhle, deren Eingang Polyphem mit einem ungeheuren Felsblock verschließt. Der Riese zündet Feuer an und entdeckt die sich ängstlich versteckenden Fremdlinge. Jetzt entwickelt sich der Kampf zwischen roher Körperkraft und feinsinniger Schlauheit. Der Zuhörer ist mit seiner Sympathie auf der Seite des Odysseus. Mut und List vereinigen sich in ihm. Polyphem wird betrunken gemacht und im Schlafe geblendet. Sein Gebrüll lockt die Brüder heran, doch getäuscht durch die schlaue Namensänderung des Odysseus gehen sie wieder hinweg. Am Morgen läßt Polyphem seine Schafe aus der Höhle und öffnet damit selbst den Griechen den Weg zur Rettung Sie entschlüpfen, und Odysseus ruft von Seinem Schiffe aus dem überlisteten Menschenfresser Worte des Hohnes zu.— Die Zuhérer versetzen sich ganz in die Lage des Odysseus, sie werden von Schauder über


