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geistigen Fortschritt. Sie ist ein durch Übung erworbener hoher Bewußtseinszustand der Seele, in dem letztere Vor- stellungen klar und deutlich unter Mitwirkung des Willens dauernd festhält, in der Absicht, deren gegenseitige Be- ziehungen denkend zu erkennen und zwischen ihnen feste Assoziationen herzustellen.
Mit dem seelischen Vorgang verbinden sich Begleit- erscheinungen körperlicher Art. Bei dem aufmerksam in die Ferne Spähenden stellen sich die Augenachsen parallel, und es flacht sich die Sehlinse ab. Der eifrig Lauschende hält den Atem an, und sein Trommelfell spannt sich. Diese als Spannungsgefühle wahrnehmbaren körperlichen Er-— scheinungen und daneben die Empfindung einer geistigen Kraftaufwendung, die sich beim Suchen, Beobachten, Sich- besinnen geltend macht, hat veranlaßt, daß die Römer das Aufmerksamsein ‚animum attendere“, die Franzosen ‚faire attention' nennen. Doch dürfen wir nicht vergessen, daß die erwähnten körperlichen Vorgänge Folgeerscheinungen des Aufmerksamkeitszustandes der Seele sind.
Jedem ist es aus eigener Erfahrung bekannt, daß es nicht immer gelingt, die Aufmerksamkeit bis zum Ende eines lang ausgedehnten Vortrags oder bis zur vollständigen Lösung einer gestellten Aufgabe wach zu erhalten. Viel- mehr unterliegt unser Geist oft der Verlockung, von der ernsten Denkarbeit abzulassen und fremdartigen Bildern und Vorstellungen Raum zu geben. Entweder sind es sinnliche Reize, die dem Verlaufe unserer Vorstellungen eine falsche Richtung geben, oder es sind Nebenvor- stellungen, die plötzlich auftauchen und unsern Geist mit zwingender Kraſt in andere Gebiete entrücken. Ein Bei- spiel wird diesen zweifachen Vorgang klar machen.
Der Lehrer erzählt von der Landung des Pyrrhus in Tarent und von seinem Kriege gegen die Römer. Da zieht der Nachbar eines bisher aufmerksam zuhörenden Knaben sein mit Wurstschnitten belegtes Butterbrot hervor. Letzteren erinnert der Anblick an das eigene Frühstück.


