Aufsatz 
Über Wesen und Förderung der Aufmerksamkeit
Entstehung
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Beobachten, verbunden mit der Forderung eigener, be- wußter Tätigkeit, anstrengend ist. Es ist dazu ein Auf. wand von Willenskraft erforderlich. Ganz deutlich wird uns die Einwirkung des Willens, wenn wir einen Gegen- stand suchen. Es taucht in uns der Wunsch auf, aus einem Bücherschranke ein von fremder Hand hineinge- stelltes Buch zu entnehmen. Nach Größe und Einband ist uns das gesuchte Buch wohl bekannt Wir setzen uns das Ziel, es aus der Menge der anderen Bücher heraus- zufinden. Um unsern Zweck zu erreichen, tun wir zweierlei. Wir halten mit der Kraft unsers Willens die Vorstellung des gesuchten Buches unserm Bewußztsein in voller Klar- heit gegenwärtig, und wir lassen unser Auge über die Reihen der Bücher hingleiten. Dabei vergleichen wir die unsrer Wahrnehmung sich von außen her darbietenden Bilder mit dem im Geiste aufbewahrten Erinnerungsbilde. Wenn eins der ersteren mit dem letzteren zusammen- stimmt, so ist unsere Aufmerksamkeit belohnt: Das Buch ist gefunden.

Wir können aber auch Dinge suchen, die uns bisher unbekannt gewesen sind, die aber unserm Denken auf Grund gegebener Bedingungen erreichbar sind Wir suchen z. B., ohne die Schriſt zu Hülfe zu nehmen, die Zahl, die das zwölffache von neununddreißig ist. Da müssen wir zuerst durch aufmerksames Erfassen die beiden Zahlen unserm Gedächtnis einprägen. sodann uns durch Denken klar machen, daß wir am besten 390 um eins vergrößern, darauf die Multiplikation ausführen und von dem Ergebnis zwölf abziehen

Ebensowenig wie beim Lösen einer Rechenaufgabe können wir die Aufmerksamkeit entbehren, wenn wir der Auseinandersetzung eines andern denkend folgen und sie begreifen wollen Wir nehmen an, ein Lehrer wolle den Wechsel der Jahreszeiten auf der Erde erklären Er weist darauf hin, daß die Achse der Erde auf der Ebene ihrer Bahn nicht senkrecht steht, sondern mit ihr einen Winkel