Aufsatz 
Ungedruckte Briefe des Prinzen Leopold von Hessen-Homburg und seiner Geschwister : 1804-1813 / von E. Schulze
Entstehung
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Da aber der Landgraf fest bei seiner Ansicht blieb, so gehorchte der Sohn. Er vermochte es nicht, den Un- willen, vielleicht den Fluch dessen zu tragen, den er von allen Menschen auf Erden am höchsten verehrte. Er kehrte nach Homburg zurück. Den Eltern verbarg er, soweit mög- lich, seinen tiefen Schmerz. Die Geschwister suchten ihn zu trösten, er antwortete mit rührenden Klagen über die ihm auferlegte Unthätigkeit. An Bruder Philipp schrieb er im November:Gott weiss es, nicht eitle Ruhmsucht verleitete mich, allein ich wollte vor meinem eigenen Richterstuhl rein dastehen, wollte mich Euer, unsres guten Stammes würdig zeigen. Nach ungeheuren Kämpfen mit mir selbst riss ich mich dort los. Es waren entsetzliche Augenblicke. Mir fiel nie die Möglichkeit ein, zurückgehalten werden zu können. In jenem Lande, wo man der Unterdrückung seinen Nacken noch nicht beugt, gedachte auch ich die Sache meines Vater- landes zu verfechten. Gott ist es bekannt, ich konnte nicht anders. Nun stehe ich da für die einen, als wenn ich nicht gewusst, was ich gewollt, für die andern, als hätte mich das Kanonenfieber ergriffen. Meine Stimmung kannst Du Dir denken, wenn mir dieses einfällt, und wenn mir so ein Tag nach dem andern verloren geht. Noch im Januar 1813 schreibt er:Künftigen Monat werde ich nun schon sechs- undzwanzig. Sechsundzwanzig und nichts geleistet! Ich komme mir vor wie ein junger Baum, der geknickt wurde.

Das Jahr 1813.

Die Zeit zu grossen Thaten war nah herbeigekommen. Auf den Schneefeldern Russlands hatte Napoleons grosse Armee ihren Untergang gefunden. Zerlumpt und krank wankten die UÜbriggebliebenen als Jammergestalten über die Grenze. Wunderbar verschlang sich abermals in Mariannens Leben das tiefe Leid des Mutterherzens mit der Sorge um das Schicksal des Vaterlandes. Am 10. Januar 1813 sass