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sie am Sterbebette ihres Thassilo, am 21. ging ihr Bruder Ludwig zum Heere, am 22. reiste der König mit dem Kronprinzen nach Schlesien ab, um einem Gewaltstreiche der Franzosen zu entgehen, am 27. begab sich ihr Gemahl, Prinz Wilhelm, zu den Truppen. Grosse Forderungen stellte die gewaltige Zeit an den Mut, die Geistesgegenwart und die Opferwilligkeit der Fürstin. Am 21. Februar rückten Ko- saken in das von Franzosen besetzte Berlin. Kanonenschüsse ertönten im Lustgarten. Die Prinzessin musste jeden Augen- blick erwarten, dass man die Geschütze gegen das Schloss richte, aber sie verliess es nicht, fest entschlossen, des Königs Eigentum bis zum letzten Augenblicke vor Plünderung zu schützen. Sie setzte sich ruhig zur Tafel und gedachte dabei des letzten Mahles, das Götz von Berlichingen in seiner be- lagerten Burg hielt. Im April rief die Unermüdliche den vaterländischen Frauenverein ins Leben, der seitdem so grossen Segen gestiftet hat. Ihre trostreichen Krankenbe- suche stellte sie selbst dann nicht ein, als das Lazarettfieber ihrs Gesundheit schwer bedrohte.
Leopold hatte mit grösster Spannung den Gang der Ereignisse verfolgt. Kaum war die Kunde von dem„Auf- ruf an mein Volk“ zu Anfang April nach Homburg gelangt, so richtete er ein Gesuch um Wiederanstellung in der preussischen Armee an den König und reiste über Wien und Prag nach Breslau. Marianne schreibt am 30. April: „Ich hoffe, lieber Papa, Sie werden meinen Brief, der an Sie und Mama zusammen gerichtet war, erhalten haben, wo- rin ieh Ihnen Leopolds Anstellung melde und Ihnen auch sage, dass Bruder Louis am 13. schon einmal im Feuer ge- wesen—, nun ist er in Dessau. Von Leopolds Ankunft bei seinem Regiment ist mir noch nichts zu Ohren gekommen. Da er reitet, geht es langsam.“
Als Major im Leib-Infanterie-Regimente angestellt und der Blücherschen Armee zugeteilt traf Prinz Leopold über Freiburg und Chemnitz marschierend, am 14. April in Altenburg ein. Bald darauf wurde ihm sein glühender


