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liche Luft zu atmen, in den heimischen Bergen umherzu- schweifen. Den Rhein grüsste sie mit jubelndem Zuruf, doch stimmte sie bald der Gedanke traurig, dass er kein deutscher Strom mehr sei. Von Ems aus besuchte sie die Burg des Freiherrn von Stein, brach von dem alten Gemäuer ein Stück- chen aus, liess es in Gold fassen und übersandte es dem verehrten Freunde mit einem herzlichen Briefe.
Aber hatten schon mancherlei schmerzliche Gedanken die reine Freude des Aufenthalts in Homburg getrübt, die Erinnerung an den Verlust der geliebten Amalla und die Trauer über die Knechtung des Vaterlandes, so fiel doch gerade in diese Zeit die herbste Mahnung an den Unbestand alles irdischen Glücks. Am 19. Juli starb die Königin Luise. Nach Empfang der Trauerbotschaft eilte die Prin- zessin nach Berlin, um dem tief gebeugten König und der ganzen trauernden Familie mit Trost und Hilfe nah zu sein. Den verwaisten Kindern wurde sie eine liebevolle Mutter, am Hofe gewann sie durch ihre edle Persönlichkeit bestim- menden Einfluss, beim Volke stand sie mit ihrem allgemein beliebten Gemahl in hohem Ansehen.
Im März 1810 waren die Prinzen Ludwig und Leopold nach Berlin versetzt worden und genossen nun fast täglich die Freude des Zusammenseins mit Schwester Marianne. Friedrich Josef weilte wieder in seiner Garnison Kaschau. Dorthin schrieb ihm Marianne am 7. September, in der Hoff- nung, ihn im Spätherbst in Berlin zu sehen. Im Januar 1811 kamen der Erbprinz und Prinz Philipp zum Besuche nach Berlin, wo sie von der Schwester mit grösster Herz- lichkeit, vom König mit Auszeichnung empfangen wurden. Sie reisten über Dresden und Prag(10. Januar) nach Wien zurück(Brief der Prinzessin: Berlin, d. 21. Januar XI.)
Zum Ersatz für die in dem Schreckensjahre 1806 ver- lorenen Kinder wurden der Prinzessin am 29. Oktober 1811 Zwillingssöhne geschenkt: die Prinzen Thassilo und Ad- albert. Hochbeglückt durch das fröhliche Gedeihen der Knaben, traten Prinz Wilhelm und seine Gemahlin in das


