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dem Kaiser Napoleon als Geisel für richtige Zahlung zu stellen, fand wenigstens darin einigen Trost, dass ihr Gatte mit ihrem Bruder zusammen in dem fremden Lande sei Am 24. Januar 1808 verliess der königliche Hof das stille Memel, wo die Einwohner die treueste Anhäanglichkeit bewiesen hatten, und siedelte nach Königsberg über. Hier unter- hielt Marianne freundschaftlichen Verkehr mit Stein, Scharn- horst, Gneisenau und anderen Mannern, die an Preussens Aufrichtung arbeiteten. Mit tiefer Trauer sah sie Stein aus dem Staatsdienste scheiden. Fast wollte ihr die Hoffnung auf bessere Zeiten schwinden. Aber Stein schrieb ihr, sie und ihr Gemahl seien bestimmt, das Panier zu erheben, unter dem sich die Besseren sammeln könnten. Dazu habe die göttliche Vorsehung sie mit so herrlichen Eigenschaften ausgerüstet.
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Das Jahr 1809.
In den ersten Wochen des Jahres 1809 waren Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise Gäste des Zaren in Petersburg. Die glänzenden Feste des prunkvollen Kaiser- hofes vermochten aber nicht den schweren Kummer aus ihren Herzen zu verscheuchen. Prinzessin Wilhelm vertrat inzwischen Mutterstelle an den Kindern des Königspaares. Am 28. Februar schreibt sie an den Erbprinzen nach Kaschau in Ungarn:„Ich habe die Reise nach Petersburg nicht beneidet und bin doch dabei nicht vergessen worden, da ich von der ganzen kaiserlichen Familie die grössten Beweise von Freundschaft und Wohlwollen erhalten habe, wie ich sie mir nie erwarten konnte. Ich habe die gütigsten Briefe bekommen und die schönsten Geschenke, auch den Orden erhielt ich.“
„Von einer Woche zur andern hoffen wir, unsre Ber- liner Reise anzutreten, aber noch ist nichts fest bestimmt. Ich wünsche es nur um einer Ursache willen, um Homburg näher zu sein, denn ich bin gern hier, wo man mich gern


