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Oktober in guter Ordnung vom Schlachtfeld bei Jena bis nach Erfurt geführt hatte und dort am 16. Oktober bei der schmählichen Kapitulation der Festung Kriegsgefangener geworden war. In Homburg hatten auch die Prinzen unter der Rücksichtslosigkeit der neuen darmstädtischen Behörden zu leiden. Erst im Jahre 1809 wurden sie in der preussischen Armee wieder angestellt.
Am 17. Oktober war die erschütternde Nachricht von der zwiefachen Niederlage bei Jena und Auerstedt in Berlin eingetroffen. Rasch mussten die Königin und Prinzessin Marianne das Nötigste zur Flucht packen. Es ging nach Stettin, dann weiter nach dem Osten, während der Sturm- wind über die öden Felder brauste. Auf dieser entsetzlichen Flucht gebar Marianne in Danzig am 3. November ein Töchterchen, das ihr aber schon am 14. durch den Tod wieder entrissen wurde. Kaum war sie notdürftig wieder- hergestellt, so musste Danzig verlassen werden. Die kleine, anderthalbjährige Amalie war krank und wurde über die Nehrung am frischen Haff in einem pelzbeschlagenen Wagen vorausgefahren. In einem elenden Bauernhause des Dörfchens Kahlberg übernachteten Prinz Wilhelm und seine Gemahlin am 22. November mit dem Töchterchen und der Kinderfrau. In Pillau traf man am 23. ein. Der erste Gang der noch kraftlosen Mutter war zum Bettchen des geliebten Kindes. Sie fand nur noch eine Leiche, und bewusstlos sank die schwer heimgesuchte Frau zusammen.
Doch das Gottvertrauen ihres demütigen Herzens ver- lieh ihr bald die Kraft, sich wieder aufzurichten. Sie erkannte ihr persönliches Schicksal als Teil des allgemeinen Unglücks und bemühte sich, es mit Standhaftigkeit zu ertragen.
Mariannens ältester Bruder und ihr Gemahl begaben sich 1807 nach Paris, jener, um bei Napoleon für die Wiederherstellung der Selbstständigkeit Homburgs zu wirken, dieser, um Ermässigung der unerschwinglichen Kriegssteuer zu erbitten. Keins von beidem wurde gewährt. Marianne, die sich hochherzig bereit erklärt hatte, sich mit ihrem Gemahl


