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ſinn! Die Treue, mit welcher der deutſche Mann Herresfolge leiſtete, die Hingebung des Herrn für den Mann und des Mannes für den Herrn,— welch' ein Gefäß für die Treue, welche dem Herzog der Seligkeit gebührt. Wo ſo herrliche Naturkräfte vorhanden ſind, da hat die Kirche mit doppelter Gewiſſenhaftigkeit die Aufgabe zu löfen, ein Volk chriſtlich zu machen, ohne ſein Volksthum zu zerſtören, den ganzen Ernſt der Forderung einer geiſtigen Wiedergeburt geltend zu machen, doch ſo, daß der Neugeborene nicht als ein blaſſer, lebensmüder, ſondern als ein friſcher, thatendurſtiger Chriſt erſcheine Thatkräftiges Chriſtenthum, ſchöpferiſche Kirchlichkeit muß eifriger als bisher erſtrebt werden; ſonſt werden die Gemeinden der ihnen nahenden Auf⸗ gabe einer größeren Betheiligung an der Geſtaltung des kirchlichen Lebens nicht gewachſen ſein. — Das deutſche religiöſe Lied erklang im Mittelalter beſonders bei höheren Feſten. Einen ge⸗ waltigen Aufſchwung nahm daſſelbe durch Luther. Dieſer wurzelt mit ſeinem Leben von Jugend auf, mit ſeinen Anſchauungen, mit ſeiner ganzen Liebe im Volksgrunde, und iſt der Sprache des Volkes in ihrer ganzen Friſche und Fülle mächtig. Er war Mannes genug, die Pſalmen in deutſche Lieder zu verwandeln, das Semitiſche in das Ariſche und Germaniſche zu überſetzen. Nachdem einmal die deutſche Bibel dieſes Lied als Widerhall hervorgerufen, iſt das Geſangbuch ein ſo volksthümliches Buch geworden als die Bibel. Das Volkslied kehrte aus der Kirche verklärt in das Volksleben zurück. Im Geſangbuch war die Bibel zum zweitenmal in's Deutſche überſetzt, und zwar in die Sprache der Herzenserfahrung von der Bibel, in die Sprache des perſönlichen Zeugniſſes von dem Leben, welches die Bibel erweckt.— Im ſechszehnten Jahrhundert verlangte die organiſche Entwicklung des deutſchen Volksgeiſtes eine nachhaltige Pflege der dramatiſchen Kunſt, aber politiſche und Cultur⸗Verhältniſſe hinderten es. In dem ſtammverwandten England dagegen trat in Shakeſpeare der rechte germaniſche Schauſpieldichter, zugleich der größte aller Dramatiker auf. An der hiſtoriſchen Tiefe und volksthümlichen Größe dieſes gewaltigſten Genius haben wir wieder germaniſcher zu werden.— Eine ernſte Frage iſt das Vorherrſchen undeutſcher Richtungen in der Muſik, welche Kunſt faſt in alle Kreiſe des Lebens eindringt, und daher Gelegenheit hat, den Volksgeiſt in ſeinen tiefſten Tiefen zu vergiften. Höchſt beherzigenswerthe Worte hat über dieſen großen Mißſtand Riehl in ſeinen„muſikaliſchen Briefen an einen Staatsmann“ geſprochen.— Was die bildenden Künſte anlangt, ſo häͤtten wir die Entwicklung des deutſchen Doms gleich an die Blüthe des deutſchen Epos anknüpfen konnen; denn derſelbe ſchöpferiſche Geiſt, welcher die tiefſinnigen religiöſen Epen ſchuf, ſetzte ſeine künſtleriſche Thätigkeit hierauf in den kühnen Bauwerken der Kirche fort. Durch die Bemühungen von Boiſſerée, Schnaaſe ꝛc. iſt die Einſicht in die organiſche Entwicklung und mächtige Gliederung dieſer erhabenen Bauwerke den Gebildeten zugänglich geworden. Die große That des deutſchen Volksgeiſtes im deutſchen Dom iſt vorzugsweiſe geeignet, Achtung vor der Tüchtigkeit unſerer Vorfahren und der ſchöpferiſchen Kraft des Chriſtenthums einzu⸗ flößen, weshalb eine chriſtlich deutſche Erziehung dieſes gewaltige Mittel nicht vernachläßigen wird.— Die ältere deutſche Plaſtik, welche in Peter Viſcher gipfelt, zeichnet ſich durch männliche Charakteriſtik aus, worin ſich in ächt deutſcher Weiſe in ueuerer Zeit beſonders Rauch mit feinen Schülern wieder hervor gethan hat. Es iſt für die Neubelebung eines ächt deutſchen Kunſtſinnes höchlichſt zu wünſchen, daß das germaniſche Muſeum zu Nuͤrnberg in begonnener Weiſe durch Nachbildungen aller Art die lebendige Kenntniß altdeutſcher Kunſtwerke in immer weiteren Kreiſen verbreite. Der ächt deutſche Maler Albrecht Dürer, welcher in unſern Tagen in Cornelius einen geiſtesverwandten Genoſſen gefunden, wird nebſt einigen älteren deutſchen Malern durch die Verdienſte mehrerer kirchlichen Vereine, ſowie die begeiſterte, aufopferungs⸗ volle Thätigkeit deutſcher Männer, unter denen beſonders Huber zu nennen iſt, im neuer⸗ ſtandenen Holzſchnitt, dieſer ächt deutſchen Kunſt, dem ganzen Volke dargeboten. Huber, welcher die ſocialen Zuſtände der wichtigſten Culturvölker Europas erforſcht, hat bei den durch ſeine Vermittlung erſchienenen Holzſchnitten von A. Dürer und M. Schön vorzüglich das Volk im engeren Sinn im Auge. Bei der Wichtigkeit dieſer Angelegenheit für wahre Volksbildung heben wir die ihn und ſeine Freunde hierbei leitenden Geſichtspunkte hervor. Die dringende Nothwendigkeit, alle Räume, in welche das Volk und beſonders die Jugend kommt, würdig auszuſchmücken, iſt noch gar wenig erkannt. Der Sinn dafür muß erſt durch gute Bilder er⸗ weckt werden. In den meiſten öffentlichen Räumen tritt uns entweder die Widrigkeit und Un⸗


