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der humaniſtiſchen Richtung betrachten. Die chriſtlich⸗germaniſche Welt durchdringt ſich mit antikem Geiſte, zuerſt mit römiſcher, ſpäter mit helleniſcher Formenſchönheit. Die Ideen der Menſchheit, des Volkes und des reinmenſchlichen Individunums werden immer mehr vertieft und treten zugleich in die lebendigſte Wechſelwirkung. Es iſt eine ſtolze Kette herrlicher Männer, welche in dieſen drei Richtungen den menſchlichen Geiſt raſtlos gefördert haben. Und wem es vergönnt war, dieſe drei Lebensmächte zu lebendiger Einheit in ſich zu verknüpfen, der ſtand auf der Höhe unſerer Cultur. Lebens⸗ voller in mancher Hinſicht als in neuſter Zeit walteten dieſe Ideen vor drei Jahr⸗ hunderten durch das deutſche Volk; aber keiner einzelnen Perſönlichkeit gelang es damals ganz, ſie insgeſammt zu neuem Leben in ſich zu vermitteln. Daß ihre Haupt⸗Vertreter, Erasmus, Hutten und Luther am Ende zum Theil ſelbſt in Kampf mit einander geriethen, brachte der deutſchen Geiſtescultur die größten Nachtheile. Die Heroen unſerer Nationalliteratur zu Leſſing's und Göthe's Zeit ſind nur ſo groß durch die für die damalige Entwicklungsſtufe des deutſchen Geiſtes möglichſt tiefe und lebendige Ver⸗ ſchmelzung dieſer drei Richtungen.— Der natürlichſte Weg wäre nun, von dem eigenen Volke auszugehen, mit der deutſchen Volksthümlichkeit zu beginnen, und zu zeigen, wie ſie der tüchtigſte Träger des Chriſtenthums, ſowie ſpäter des Humanismus ward. Da ich aber von dem Gymnaſium handle, welches vorzugsweiſe zur För⸗ derung des Humanismus gegründet worden iſt, ſo will ich mit dieſem anfangen und einen ebenfalls berechtigten Weg einſchlagen, indem ich die drei Richtungen oder Mächte in der Reihenfolge vorführe, in welcher ſie in der Weltgeſchichte aufgetreten ſind, alſo zuerſt den antiken Geiſt, beſonders den Hellenismus, hierauf das Chriſtenthum und zuletzt das deutſche Volksthum.
Italien machte den erſten Verſuch, uns den antiken Genius zu vermitteln. Dante, Petrarca, Boccacio wurden groß durch Verſchmelzung des chvriſtlich⸗ italieniſchen Geiſtes mit dem antiken, aber Italien fehlte die ſittliche Kraft, dieſe Durch⸗ dringung gehörig zu vollbringen und damit den Geiſt der neueren Zeit heraufzuführen. Dem kräftigeren und reineren deutſchen Geiſte war es beſchieden, dieſe Arbeit zu voll⸗ bringen. Seit Erasmus und Reuchlin, Celtes und Pirkheimer bis auf Wolff und Ottfried Müller, Winckelmann und Göthe weihte eine Reihe der genialſten und edelſten Manner dieſer Aufgabe ihre Kräfte. Vor dem heiteren antiken Geiſte mußten die ſcholaſtiſchen Nebel weichen. Seit Winckelmann und Voß wandten ſich die Deutſchen ganz dem helleniſchen Genius zu und kamen vermöge ihrer inneren Verwandtſchaft zu einer reineren Anſchauung dieſes Genius als alle andere
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