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Reithauſes zugeſichert. Seitens der ſtädtiſchen Behörde wurde dabei„der Wunſch ausgeſprochen, daß demnächſt mit dem Gymnaſium eine Realſchule vereinigt und eine Sexta errichtet werde.“ (Schreiben v. 13. Juni 1871) Der eine dieſer Wünſche iſt ſeitens der Königlichen Staatsregierung ſofort erfüllt worden, indem nicht nur eine Sexta in den Plan des Neubaus aufgenommen, ſon⸗ dern auch noch vor Beginn deſſelben die Errichtung dieſer Klaſſe und die dazu erforderlichen Geld⸗ mittel bereitwilligſt genehmigt wurden, ſobald nur der Unterzeichnete(im Sommer 1874) die bezüg⸗ lichen Anträge geſtellt hatte. Die Sexta iſt ſeit Oſtern v. J. eröffnet.(ſ. Programm 1874 S. 28) Dem anderen auf Verbindung einer Realſchule mit dem Gymnaſium gerichteten Wunſche zu ent⸗ ſprechen, fand ſich die Königliche Staatsregierung nicht in der Lage, da das Bedürfniß einer Real⸗ ſchule und eines Gymnaſiums für eine Stadt von der Bevölkerungszahl Rintelns(3600 Einw.) nicht anerkannt werden konnte; keine Stadt dieſer Größe im ganzen preußiſchen Staat hat neben einem Gymnaſium eine Realſchule, oder auch nur einzelne Realclaſſen.“ In das im Jahre 1873 definitiv feſtgeſtellte Project des Neubaus wurden demnach nur aufgenommen: 9 Gymnaſial⸗Claſſen(Sexta — Prima und 3 Reſerveclaſſen für eine etwaige Theilung der oberen Klaſſen; 2 dieſer Claſſen werden ſofort benutzt werden), eine phyſicaliſche Klaſſe und ein dazugehöriges phyſicaliſches Kabinet, eine Aula, ein großer Raum für die Bibliotheken u. Sammlungen, endlich die Dienſt⸗Wohnung für den Director und den Schuldiener.
In dieſem Stadium fand der Unterzeichnete bei ſeinem Amtsantritt(Oſtern 1874) die Sachlage; die mühſamen Vorarbeiten und weitläufigen Verhandlungen der erſten Stadien fallen in die Amtsführung ſeines Vorgängers, des Herrn Director Rieß, welcher ſich in Gemein⸗ ſchaft mit dem andern Mitgliede der Verwaltungs⸗Kommiſſion, dem Königl. Landrath Herrn Kröger um die Anregung und Förderung dieſer wichtigen Angelegenheit die größten Verdienſte erworben hat. Von entſcheidender Bedeutung war dabei das außerordentlich eingehende, ſachgemäße und überzeugende Gutachten, welches der Herr Kreis⸗Phhſikus und Sanitätsrath Dr. Selberg über die baulichen Zuſtände des alten Gymnaſial⸗Gebäudes aus geſundheitlichem Geſichtspunkte abgefaßt hatte. Endlich dürfen die mannichfachen und dankenswerthen Vorarbeiten des Landbau⸗ meiſters Herrn Koppen in der Geſchichte des Neubaus nicht vergeſſen werden, wenn derſelbe auch durch ſeinen inzwiſchen erfolgten Rücktritt in den Ruheſtand verhindert wurde, an der eigentlichen Ausführung des Neubaus mitzuarbeiten.
Dieſe wurde von der Königlichen Regierung zu Kaſſel in Vertretung des Königl. Provin⸗ zial⸗Schul⸗Collegiums dem Herrn Baurath Raſchdorff in Köln als leitendem Architecten vertrags⸗ mäßig übergeben, der ſeinerſeits wiederum dem Herrn Maurermeiſter Wißmann in Bielefeld die Ausführung der techniſchen Arbeiten überließ, und den Bauführer Herrn Steinborn aus Cöln mit ſeiner Stellvertretung und der perſönlichen Leitung der Bauarbeiten beauftragte. Die Ober⸗ Aufſicht über den ganzen Bau führte als Vertreter der Königl. Staatsregierung der Regierungs⸗ und Baurath Herr Aßmann zu Caſſel. Hatten nun auch dieſe mit einer Umarbeitung der Koſten⸗ Anſchläge verbundenen neuen Verhandlungen eine neue Verzögerung des Beginns herbeigeführt, ſo gab die Gewinnung eines ſo bewährten Architecten in der Perſon des Herrn Baurath Raſch dorff die Gewähr für eine möglichſt befriedigende und geſchmackvolle Ausführung des Baues. Nachdem endlich auch keee von privater Seite her erhobene Anſtände entfernt waren, konnte nunmehr am
*) Die ſeit d. 1841 mit dem h. Gymnaſium verbundenen Realclaſſen hatten ſich nicht als lebensfähig erwieſen und waren wec. 1868 eingegangen.


