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daß die numerandi scientia für den Menschen unentbehrlich ist.« Ferner sagt 1654 die Branden- burger Ordnung:»der Lehrer soll den Knaben ohne Umschweife und Herbeiziehung absonderlicher Fragen die arithmetischen Regeln einprägen, indem er sehr angenehme Beispiele auswühlt, durch welche sie den Gebrauch der so herrlichen Kunst allmählich lernen werdene. Doch be- schrünkte sich die Unterrichtszeit, welche auf diese»so herrliche Kunst« verwandt wurde, wöchent- lich auf eine Stunde. Freilich mehren sich allmählich die Vorkämpfer für eine stärkere Betonung der Mathematik. Carolus Sibeth, Rektor des Pädagogiums zu Kloster Bergen, welcher 1737 ein Programm schrieb: De eo quod justum est circa Matheseos usum in scholis«, giebt als Argument der Gegner mathematischer Schulstudier an:»wenn die Jugend einmal die Süßigkeit der Meßkunst ge- schmeckt habe, sosei ihr alles Andere widerwärtig, und sie verachte die Erlernung der Sprachen.» Infolge der großen Erfindungen des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts gewannen die mathematisch-physikalischen Studien an den preußischen Gymnasien immer mehr an Beachtung, so daß schon zu den Zeiten Friedrich des Großen die diesem Unterrichtszweig gewidmete Stundenzahl von der gegenwärtig zu Recht bestehenden nur wenig differirt. Auch in dem preußiischen Cirkularreskript vom 24. Oktober 1837, dem sogenannten»blauen Buches, ist die für Mathematik und Naturwissenschaften angesetzte Stundenzahl mit Ausnahme der in Sekunda nur einstündig gelehrten Physik dieselbe wie heute.
Wenn somit extensiv das mathematisch-physikalische Lehrfach an den preußischen Gym- nasien seit langen Jahren ziemlich unverändert geblieben ist, so hat dasselbe doch intensiv un- bestreitbar an Wert gewonnen sowohl durch geeignetere Vorbereitung der Lehrer auf den Uni- versitäten als auch durch die Ausstattung selbst kleinerer Gymnasien mit physikalischen Samm- lungen und eigenen Lehrsälen sowie durch das Erscheinen zahlreicher dem Standpunkt der Wissenschaft und dem Fassungsvermögen der Schüler mehr und mehr angemessener Lehrbücher, namentlich aber auch durch das Gewicht, welches sowohl die Schulaufsichtsbehörde als auch die öffentliche Meinung diesem für das Verständnis der Gegenwart unentbehrlichen Fach beilegen. Doch wollen wir dabei nicht vergessen, daß die Gegenwart voll und ganz nur durch die Ver- gangenheit pegriffen werden kann.
Möge die in unserer Gymnasialbildung zum Ausdruck gelangende Vereinigung klassischer und moderner Bildung von Jahr zu Jahr eine mehr harmonische werden, so daß das Wort Pindars über den König Hiero»òενανν*εορ⁴ς dοεrdeν der aoag im edelsten Sinne auch für den deutschen Gymnasiasten Gültigkeit habe!


