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treter die Versammlung. Hierauf versicherte der Großherzog- lich Hessische Vertreter die Beamten des neuerworbenen Gebietes der landesväterlichen Huld ihres nunmehrigen Re- genten und verlas die Urkunde über die Besitzergreifung. Nach diesem Akte vereidigte der Präsident der hessischen Regierung im linksrheinischen Gebiete, Freiherr von Lichten- berg, die anwesenden Beamten. Zuletzt begaben sich die Anwesenden in den Dom, um dem Te Deum laudamus bei- zuwohnen, das Bischof Colmar dort anstimmte. Mainz war dem Großherzogtum Hessen angegliedert!
IX.
Gedenkfeierlichkeiten im Mainzer Dom.
Die Gedenkfeierlichkeiten für politische Ereignisse be- ginnen in dem Mainzer Dom mit dem dreißigjährigen Kriege. Am 38. November 1620 wurde Friedrich V. von der Pfalz, den die Böhmen im Gegensatz zu Ferdinand II. zum Könige erhoben hatten, bei Prag völlig besiegt. Wegen Eroberung der Stadt Prag ordnete Kurfürst Johann Schweickhardt von Kronberg dem Allmächtigen zum Lob und Danke sowie zur Erlangung weiterer Siege eine öffentliche Prozession und Danksagung an;i) er bestimmte dafür Donnerstag, den 17. De- zember 1620. In Anbetracht des bösen Wetters und der winterlichen Zeit trug das Domkapitel Bedenken, bei dem Umzuge das Allerheiligste und die Heiligtümer mittragen zu lassen. Weil die Priester durch Glatteis und schlüpfrige Wege in Gefahr geraten konnten, sah man davon ab. Dagegen sollte Hochamt und Predigt, wie bei derartigen Anlässen üblich, stattfinden.
Die Schrecken des dreißigjährigen Krieges lernten die Mainzer in ihrem vollen Umfange erst später kennen. Am 23. Dezember 1631 nachmittags 4 Uhr zog Gustav Adolf in die Stadt ein. Nach dreimonatlicher Belagerung durch die Kaiserlichen verließen die Schweden am 9. Januar 1636 wieder die Stadt. Die Bürger scheinen in der Zeit, als es noch unentschieden war, ob die Entsetzung gelinge, für diesen Fall eine jährliche Prozession gelobt zu haben. Doch unter- blieb sie aus unbekannten äußeren Gründen ein- oder mehr- mal während der Jahre 1637, 1638 und 1639. 1640 begehrte²) der Kurfürst Anselm Kasimir von Wambolt, daß die Pro-
1) M(ainzer) D(omkapitel)— P(rotokolle)(Staatsarchiv Würz- burg) Bd. 29 Fol. 439 Sitz. v. 15. Dez. 1620.
²2) M. D. P. Bd. 31 Fol. 705 Sitz. v. 7. Januar 1640.


