Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 2. Teil
Entstehung
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mochte seinen durch Krankheit und Entbehrungen herunter- gekommenen Soldaten wenig zutrauen. So hatten die Mainzer während der Blockade unter Feindseligkeiten der Truppen wenig zu leiden. Um so unerträglicher empfanden sie die Herrschaft Morands, auf den mit Verkündigung des Belage- rungszustandes die Polizei- und Ordnungsgewalt der Zivil- behörden übergegangen war. Er verlangte von der ausge- saugten und durch Typhus heimgesuchten Bevölkerung Zwangsanleihen, monatliche Darlehen, Beschaffung von Lebensmitteln, Wein und Holz. Um letzteres zu gewinnen, wurden auf seinen Befehl die Maurizenkirche, das Jesuiten- kollegium, die Kapelle am kurfürstlichen Schlosse, das Wohn- haus an der Reichklarenkirche, die alte Münze, die ehemalige Dragonerkaserne, die Rote Kaserne und andere Gebäude niedergerissen. Nach der Absetzung Napoleons(11. April 1314) und der Rückberufung der Bourbonen lud er die Be- amten, die Bürgermeisterei, den Gemeinderat, die Geistlich- keit und die Offiziere der Nationalgarde ein,¹) durch schrift- liche Erklärung der neuen Regierung und dem künftigen Könige Ludwig XVIII. zu huldigen. Die Genannten kamen am 18. April 1814 der Weisung nach. Der Waffenstillstand, der am 23. April 1814 zu Paris zwischen den verbündeten deutschen Mächten und Frankreich vereinbart wurde, be- stimmte u. a. die Übergabe der Festungen Mainz und Kastel. Am 4. Mai 1814 vormittags 10 Uhr zog das französische Heer in einer Stärke von etwa 12 000 Mann durch das Neutor ab. ²) Am gleichen Tage von 11 ½ bis 3 Uhr hielten die Belage- rungstruppen unter Herzog Ernst von Koburg ihren Einzug.

16 Jahre 4 Monate und 4 Tage hatte die letzte fran- zösische Besetzung von Mainz gedauert. Das Kurfürstentum Mainz war inzwischen durch den Reichsdeputationshaupt- schluß(25. Februar 1803) verschwunden. Deshalb lautete für die Stadt eine sorgenvolle Frage: Welchem deutschen Staatengebilde wird sie zugewiesen werden?

Nach einer Vereinbarung der verbündeten Mächte kamen) die zurückeroberten deutschen Gebiete unter die Zentral- leitung des Freiherrn vom Stein. Eine Unterabteilung dieser bildete das Generalgouvernement vom Mittelrhein mit den ehemaligen Departements vom Donnersberg, von der Saar und von Rhein-Mosel. An seine Spitze trat als General-

) Bockenheimer a. a. O. 147. ²) Ebenda S. 149.

³) H. Bechtolsheimer, Die Provinz Rheinhessen in den beiden ersten Jahrzehnten ihres Bestehens, Quellen und Forschungen zur

hess. Gesch., herausgegeb. von der hess. histor. Kommission IV 1917. S. 25 32.

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