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Unser Ruf war kein vergeblicher. Die deutsche Bevölkerung der Stadt ging den Armen entgegen und jeder hat sein Möglichstes in Suppen, Nahrungsmitteln aller Art, Leinwand usw. dargebracht. Mehr als ich es mit Worten ausdrücken kann, ehrt diese Hingebung die Bewohner von Mainz...“ Marschall Kellermann erklärtel¹) in einem Briefe, der auf seine Veranlassung in der Mainzer Zeitung zum Abdruck kam:„Was die Mainzer bei dieser Gelegenheit getan haben, ist über jeden Lobspruch erhaben.“ Vom 2. bis 7. November 13813 weilte Napoleon in Mainz. In aller Stille kam er, in unauffälliger Weise schied er, während des Aufenthaltes nur seiner nächsten Umgebung zugänglich. Die Reorganisation der Armee, die Beschaffung der nötigen Geldmittel, die Ver- teidigung der Rheingrenze gegen die nachrückenden Verbün- deten beschäftigten ihn. Nach seiner Abreise führte Mar- schall Marmont in Mainz den militärischen Oberbefehl. Er entfernte alle entbehrlichen Truppen aus Mainz, armierte die Festung und ordnete an, daß sich die Bürgerschaft für acht Monate mit Lebensmitteln versehen solle; Maßregeln, um die drohende Belagerung der Stadt aushalten zu können. Nur einem Feinde vermochte er nicht entgegenzutreten, dem Typhus, den Kranke vom Kriegsschauplatze nach Main⸗ gebracht hatten. Nach der Schätzung urteilsfähiger Mainzer starben in der Zeit vom November 1813 bis Mai 1814 in der Stadt 18000— 21 000 Soldaten. Von der Zivilbevölkerung, die damals etwa 24 500 Seelen betrug, starben während der Seuche etwa 10 Prozent d. h. rund 2450 Menschen. Zu den Opfern zählte²) Jeanbon St. André, der vom 20. Dezember 1301 bis zum 10. Dezember 1313 Präfekt des Departements vom Donnersberg; er verleugnete zuweilen nicht den ehe- maligen Jakobiner, war aber ein gerechter Beamter und wies mutig Übergriffe französischer Generäle zurück. Teile der schlesischen Armee, welche die Festung Mainz einschließen sollten, nahmen Mitte November 1313 bei Wies- baden Aufstellung. Es blieb aber der Verkehr zwischen den beiden Rheinufern bestehen, bis im Januar auch die Dörfer um Mainz besetzt wurden. Nunmehr war die Stadt völlig umklammert. Doch entwickelten Belagerer wie Belagerte keine besondere Tatkraft. Erstere glaubten wohl, daß sich Main⸗z mit der Zeit ergeben müsse. General Morand, der nach Marmonts Weggang den Oberbefehl in der Stadt führte,
1) A. a. O. S. 46.
²) Sein Grabstein auf dem Friedhofe vor Quadrat 22. A. Boerckel, Der Mainzer Friedhof S. 71; Abbildung des Denkmales a. a. O. S. 14. Bildnis von Jeanbon St. André. Bockenheimer, Gesch. der Stadt Mainz in den Jahren 1813 und 1814. 3. Aufl. 1886. S. 96.


