55
5— 6000 Mann betragen haben, es stellte sich alsbald Mangel an Lebensmitteln ein. Unter dem Hinweis auf diesen for- derte der kaiserliche General am 21.(11.) Juli 1635 die Über- gabe. Von Hohendorf lehnte sie ab, weil er auf die Unterstützung des Herzogs Bernhard von Weimar vertraute. Auf die Nach- richt von dessen Anmarsch hoben die Kaiserlichen die Be- lagerung auf und zogen am 3./4. Aug.(24./25. Juli) 1635 in der Richtung nach Oppenheim und Worms. Am 5. Aug.(26. Juli) 1625 gelangte die Vorhut, am 8. Aug.(29. Juli) 1635 Herzog Bernhard selbst nach Mainz. Die Schweden waren wieder in unangefochtenem Besitze der Festung Mainz.
Die denkwürdige Belagerung, die in die Tage des 30. Juni bis 3. August 1635 fällt, hat M. Merian in einem Kupferstichi) des Theatrum Europaeum verewigt.
Nachdem Mainz glücklich befreit war, blieb²) Herzog Bern- hard zunächst noch in der Umgegend. Er nahm einige Orte oberhalb und unterhalb der Stadt, so Bingen, eroberte Eltville und den Rheingau und bezog schließlich bei Hochheim eine feste Stellung, um von hier aus Streifzüge gegen die Kaiser- lichen zu unternehmen. Aus Mangel an Geld und Proviant trat er am 24.(14.) Sept. 1635 über den Rhein den Rück- marsch nach Mainz an. Am 23.(13.) Sept. 1635 ließ er die Mainzer Schiffbrücke ablegen, ferner die besten Geschütze und die Munition aus der Gustavsburg wegbringen. Er selbst rückte in der Richtung nach Kreuznach ab. Die verlassene Gustavsburg besetzten sofort die Kaiserlichen.
Etwa mit dem 29. September 1635— das genaue Datum wurde bisher nicht festgestellt— begann die abermalige Umschließung der Stadt durch die Kaiserlichen. Wohl machte) Oberst von Hohendorf mit vorübergehendem Erfolge am 12.(2.) Nov. 1635 einen Ausfall gegen die Gustavsburg, am 16.(6.) und 13.(3.) Nov. 1635 gegen Rüsselsheim, aber er hatte in der Garnison selbst mit unüberwindbaren Schwierig- keiten zu kämpfen. Mangel an Munition trat ein; außerdem herrschten Hunger und ansteckende Krankheiten in der Stadt.
Rechten trägt er erhoben den Befehlshaberstab. In seiner Linken ruht der Helm mit dem Federbusch auf den Eisenhandschuhen; zur Rechten steht das Wappen mit doppelter Helmzier am Boden. Im gevierteilten Wappen ist ein springender Löwe und eine Helle- barde. Forschner, Geschichte der Pfarrei und Pfarrkirche St. Quin- tin in Mainz S. 66 f.— Weiterhin waren 1634 in der St. Quintins- kirche begraben worden ein Kapitänleutnant vom Pfur’schen Regi- ment und Oberstleutnant vom Vobor'schen Regiment(a. a. O. S. 223).
1¹) Wiedergegeben in verkleinertem Maßstabe bei Frohnhäuser a. a. O. hinter S. 194.
²) Lebensbeschreibung aller Bisch- und Erzbischofen S. 771 ff. ³) Frohnhäuser a. a. O. S. 195 ff.


