Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 2. Teil
Entstehung
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Bernhard von Weimar, an den er sich hilfeflehend wendete, schrieb ihm von Metz aus, er solle Mainz verlassen und durch einen Rückzug nach Koblenz sein Kriegsvolk zu erhalten suchen. Damit war die Willenskraft des tapferen Offiziers gebrochen. Am 17.(7.) Dez. 1635 kam die Kapitulation¹) zwischen Heinrich Burggraf zu Dohna als kaiserlichem Be- fehlshaber und Gisbert von Hohendorf zustande. Von den 26 Artikeln²) behandeln naturgemäß die meisten den freien und ungehinderten Abzug der schwedischen Garnison, die etwa 3000 Mann betrug, die Besatzungen von Bingen und Ehrenfels miteingerechnet. Die erste Bestimung sicherte den Beamten, Geistlichen und Bediensteten der Schweden, Franzosen und ihrer Verbündeten Unverantwortlichkeit für ihre Amtshandlungen sowie das Recht, mit der Soldateska das Land zu verlassen. Die 13. Festsetzung besagte, daß alle Akten und Register, die Kurmainz zuständig seien, ausge- liefert werden sollten; ebenso hatten in Mainz zu verbleiben alle Judicialia(Gerichtsakten) und das auf das Erastift Bezügliche. Der 19. Artikel lautet:So ist auch ebnermassen, auf deß Gubernatoris(des Obersten von Hohendorf) Begehren, zugesagt und versprochen, daß nachdem, sowohl in der Jesuiter, als anderer Kirchen und Klöstern, hohen und nie- dern Officirern, gemeine Soldaten, und andere Bedienten, samt ihren Weib und Kindern zur Erden bestättigt und begraben, daß deren Leichnam und Todtengebein nicht ausgegraben, sondern in der Erden und ihrem Ruhebetlein imperturbirt(ungestört) gelassen werden.

Der Artikel 2 verpflichtete den Gubernator von Hohen- dorf, Mainz samt allen Schanzen und dem Schloß, ebenso Bingen, Stadt und Schloß, Ehrenfels und Lahnstein, dem Kaiser und dem Mainzer Kirchenfürsten am 25. Dezember ohne vorausgegangene Plünderung abzutreten. Aus unbe- kannten Gründen verzögerte sich der Ausmarsch. Er erfolgte erst am 19.(9.) Jan. 1636 vormittags zwischen 11 und 12 Uhr durch die Dieterpforte. Diese lag am Ende der Jakobsberger Straße in der Höhe der Schweickhardtsburg und erleichterte so eine rasche Vereinigung der Besatzung, die auf der Zita- delle lag, mit jener, die aus der Stadt ausrückte.

Die Stadt besetzte nun Graf Heinrich zu Dohna; er war von Anselm Kasimir als Gubernator seiner Residenz und Kommandant des Erastiftes bestellt.

Ebenfalls am 19.(9.) Jan. 1636 stellte der Vizedominus im Rheingau Heinrich Greiffenklau von Vollraths dem kur-

¹) Lebensbeschreibung aller Bisch- und Erzbischofen S. 775 ff.

) Mitgeteilt in Fr. Werner, Der Mainzer Dom II(Main⸗ 1336) S. 545 555.