Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 2. Teil
Entstehung
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war das Elend in Mainz und in dem Er⸗stift, daß sich Kur- fürst Anselm Kasimir am 31. Oktober 1634 von XKöln aus an den König von Ungarn, dem nachmaligen Kaiser Ferdi- nand III., wandte.¹) Matthias Graf von Gallas, der kaiser- liche Oberbefehlshaber, richtete?) daraufhin am 14. November 1634 ein Schreiben an den schwedischen Reichskanzler Oxen- stjerna. Er betonte u. a. darin, daß das Verhalten dieser Soldaten dem Kriegsbrauch und der Reputation, aber auch der christlichen Liebe und Inachtnehmung der Reichsfrey- heiten, deren sich ihre(= die schwedische) Partei so hoch rühmet, widerspräche. Zum Schlusse ermahnte er den Kanz- ler, sich bewußt zu bleiben,daß man auf dieser(= der kaiserlichen) Seiten mehr als zuviel Mittel in Händen, ein gleichmäßiges(Verfahren) an ihren Adhärenten zu exe- quiren(= an den schwedischen Anhängern zu betätigen).

Am Ende des Jahres 1634 machte Bernhard von Weimar, der am 27.(17.) Nov. 1634 mit 18 000 Mann durch Mainz zog, einen vergeblichen Vorstoß auf dem rechten Rheinufer; denn hier waren die Kaiserlichen im Vordringen begriffen. Im Februar 1635 fürchtete Oberst von Hohendorf, daß die Trup- pen des Grafen Gallas auf das linke Rheinufer kämen. Im Frühjahr 1635 suchten letztere, die den oberen Rheingau besetzt hatten, Mainz durch Verrat zu nehmen. Der Plan wurde jedoch entdeckt und gegen die Schuldigen mit der Todesstrafe vorgegangen. Den Rheingau brachte von Hohen- dorf nur vorübergehend in seine Gewalt.

Am 24.(14.) Juni 1635 setzten die Kaiserlichen bei Eltville und Walluf über den Rhein. Da einige Regimenter vom linken Flußufer aus den UÜbergang schützten, zog von Hohendorf seine Truppen von dem flachen Lande in die Festung Main⸗ zurück. So konnte Graf Gallas diese vom 30.(20.) Juni 1635 an umschließen.) Mag nun die Besatzung 10 000 oder nur

1) Kurzgefaßte Lebens-Beschreibung Aller Bisch- und Erz- bischofen Wie auch Chur-Fursten zu Mainz von K. S. T. v. H. S. 763 ff.

²2) Ebenda S. 766 f.

3) An der nördlichen Außenwand der St. Quintinskirche be- findet sich ein Grabstein mit folgender Inschrift:

A(nn)o. 1635. den. IV.(*) Julii. St(ili). Vet(eris).(= 24. Juni) ist der Woledle. Gestreng. Vöste und. Manhaft Conrad Artonelfs(?) von. winssenhind(?)..... Occasion. von auszfallender. belage- rung. d(er). Stadt. Mentz. geschossen und. bald. Tods verblichen. Seines. Alters. 30. Jahr. Gott. verleihe. im. ein. froliche. aufersteh- ung.

Dargestellt ist auf dem Grabstein eine mächtige, ritterliche Gestalt, das Haupt entblößt, mit wallendem Haar, Lippen- und Kinnbart, in schwere Plattenrüstung gehüllt, über der Brust die Feldbinde, an den Füßen schwere Stulpstiefel mit Sporen. In der