Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 2. Teil
Entstehung
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Woll- und Leinweber, 10. die Goldschmiede und Glaser, 11. die Schmiede und Wagner, 12. die Schreiner und Bader, 13. die Löher und Kürschner, 14. die Seiler und Fischer, 15. die Bäcker, 16. die Metzger, 17. die Gärtner, 18. die Sackträger und Mütter(Fruchtmesser), 19. die Unzünftigen, die aus irgendeinem Grunde einer Zunft nicht angehören konnten, denen aber der Aufenthalt in Mainz auf bestimmte Zeit durch die Behörde gestattet war, 20. die Zunfthäuser, die Tagungsräume der einzelnen Zünfte, 21. die Juden, 22. die Vormundschaften, d. h. die vormundschaftlichen Guts- und Hausverwaltungen, 23. Geistliche, die im Besitze bürgerlicher Liegenschaften waren, 24. Auswärtige, die in Mainz und seinem Burgbann Grundbesit⸗z hatten, 25. Universitätsange- hörige, die in der gleichen Lage waren, 26. und 27. Weise- nauer und Bretzenheimer Landleute, die im Mainzer Burg- bann Grundbesitz hatten.

Von dem hohen Turm des Domes gemeint ist wohl der westliche Vierungsturm wehte die schwedische Fahne. Die Bürgerschaft mußte Gustav Adolf den Huldigungseidi) leisten. Der Stadt gab er eine Garnison von 16 000 Mann. Die vorhandenen Festungswerke ließ er ausbessern und durch neue verstärken. Unter letzteren ist vor allem die Gustavs- burg zu nennen, bei deren Anlage Bewohner hessen-darm- städtischer Orte gegen Entgelt verwendet wurden.

In den ersten Tagen des Mär⸗z 1632 verließ der Schwe- denkönig Mainz, um mainaufwärts vorzurücken und Tilly entgegenzutreten. Seinem Reichskanzler Oxenstjerna über- trug er die Aufsicht über die Städte am Rhein und Main, dem Pfalzgrafen Christian von Birkenfeld und dem Herzog Bernhard von Weimar den Oberbefehl über die zurück- bleibenden Truppen. In Abwesenheit der beiden führte Oberst Gisbert von Hohendorf, der im Jakobsberger Kloster auf der Schweickhardtsburg wohnte, das Kommando.

Die schwedische Garnison in Mainz wurde nicht durch den Tod Gustav Adolfs(†⁵ 16. November 1632), sondern erst durch die Niederlage gefährdet, die Bernhard von Weimar am 5. und 6. September 1634 bei Nördlingen erlitt. Viele Flüchtlinge seines Heeres kamen über die Schiffbrücke, die damals von dem rechten Rheinufer nach dem Holztor führte, in die Stadt Mainz. Hier verübten sie alle Gewalttätigkeiten, deren in Auflösung begriffene Truppen fähig sind. So groß

1) Die Huldigung ist nicht überliefert. Sie ergibt sich aber mit Notwendigkeit aus der Tatsache, daß die Bürgerschaft nach dem Tode Gustav Adolfs den Huldigungseid seiner unmündigen Tochter Christine und dem Kanzler Oxenstjerna als Reichsverweser leistete. (Frohnhäuser a. a. O. S. 146 Z. 25.)