Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 2. Teil
Entstehung
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Vorräten an Frucht und Wein versehen; die Ordinarikontri- bution des Klerus und die Schatzung des Erzstiftes wurden verdoppelt. Ob die Festungswerke, die unter Erzbischof Johann Schweickhardt(16041626) erneuert worden waren, einer Verbesserung bedurften, ist eine offene Frage. Trot⸗ aller Maßregeln wuchsen Furcht und Verwirrung in Mainz, je weiter die Schweden mainabwärts vordrangen. Adlige, Geistliche und Nonnen verließen die Stadt. Von den Büßerin- nen im Weisenauer Klösterchen ist beispielsweise überliefert, daß sie ein Schiff mieteten und am 30. November 1631 nach Andernach fuhren. Die Angst erreichte ihren Höhepunkt, als am 27./23.(17./18.) Nov. schwedische Truppen Kostheim besetzten und von dem linken Rheinufer aus in Kastel be- obachtet wurden.

Die Mainzer Garnison bestand in dieser Zeit aus etwa 2000 Spaniern, wie man das niederburgundische Kriegsvolk nannte. Am 26.(16.) Nov. unterstellte sie der Mainzer Kur- fürst dem kais. Obersten Walraff Wilhelm von Wittenhorst. Aber auch er konnte ihre groben Ausschreitungen gegen die Bürgerschaft nicht verhüten.

In der Zeit vom 29.(19.) Nov. bis 4. Dez.(24. Nov.) 1631 besetzten die Schweden den oberen Rheingau, um von ihm aus das linke Rheinufer zu gewinnen und dann Mainz gleich- zeitig von Kastel und der Nordseite der Stadt aus anzu- greifen. Da ereilte den Schwedenkönig die Kunde, daß sich Tilly am 28.(18.) Nov. 1631 vor Nürnberg gelagert habe. Um der bedrohten Stadt zu Hilfe zu eilen, zog Gustav Adolf am 9. Dez.(29. Nov.) 1631 in der Richtung nach Frankfurt ab.

Mainz war für den Augenblick von der drohenden Be- lagerung und Beschießung befreit.

Am 10. Dez.(30. Nov.) 1631 erfuhr der Schwedenkönig in Frankfurt, daß Tilly Nürnberg verlassen habe und er deshalb den geplanten Marsch aufgeben dürfe.

Am 11.(1.) Dez. 1631 brach er von Frankfurt auf, um seinen Marsch auf Heidelberg und Gernsen(Gernsheim) zu nehmen. ¹) Da Gustav Adolf selbst diese Absicht kundgab, so kann es sich für ihn nur darum gehandelt haben, jetzt Mainz in einem kombinierten Angriffe von der Rhein- und Südseite zu fassen, wie er es in den Tagen des 29.(19.) Nov. bis 9. Dez.(29. Nov.) 1631 von der Rhein- und Nordseite aus versucht hatte. Am 13.(3.) Dez. 1631 übergaben ihm die Bürger die Stadt, die Soldaten das Schloß Gernsheim. In dem Schreiben, das Gustav Adolf am 11. Jan. 1632(31. Dez.

1) A. a. 0. S. 33 Zeile 13 f.; Frohnhäuser hat den Wert dieser Stelle übersehen.