Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 2. Teil
Entstehung
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kranker Knechte, die in Frankfurt in Besatzung gelegen hatten; sie sollten im Namen des Kaisers die Stadt ver- wahren. Auch diese mußten nun die Bürger aufnehmen, ernähren und dabei die Folgen ihrer Krankheiten ertragen. Was die Markgräflichen übrig gelassen hatten, das fraßen nun die Kaiserlichen völlig auf. Hatten jene die Häfen (Töpfe) zerbrochen, so machten diese Scherben und die Bürger hatten viel unter ihrem Mutwillen zu leiden. Denn alles, was die Bürger von den markgräflichen Gütern aus dem Feuer gerettet und in der Stadt geborgen hatten, wie Speck, Hafer, Korn und Wein, das nahmen die Kaiserlichen weg. Zuletzt, da diese nicht länger bleiben konnten, gab der Kaiser die Stadt Mainz dem Erzbischof zurück. Da wurden die Bürger, die zeitweilig markgräflich, zeitweilig kaiserlich gewesen waren, wieder mainzisch.

VII.

Die Schweden in Mainz ¹) (23. Dezember 1631 19. Januar 1636).

Nach dem Siege bei Breitenfeld(17. Sept. 1631) wandte sich Gustav Adolf der Mainlinie zu;dann der König inten- tionirt den Mainstrom ganz und den Rheinstrom theils unter seinen Zwang zu bringen; so heißt es in einem vertraulichen Schreiben, das am 22.(12.) Nov. 1631 an den hessen-darm- städtischen Regierungspräsidenten gerichtet wurde. Nach der Besetzung von Frankfurt und Höchst(27.[17.] Nov. 1631) gedachte Gustav Adolf mit Schiffen den Main hinunter zu fahren und Mainz von der Wasserseite anzugreifen. Dadurch, daß an der Mainmündung, entsprechend der damaligen Kriegs- führung, Schiffe mit Steinen versenkt wurden(zw. 21. 23. [11.13.] Nov. 1631), erwies sich der Plan als undurchführbar.

Von Würzburg aus, das am 3. Oktober 1631 in seinen Besitz übergegangen war, hatte der Schwedenkönig den Kurfürsten von Mainz, Trier und Köln solche Bedingungen in bezug Geldleistungen, Lebensmittellieferung, Durchzüge und Duldung der Augsburgischen Konfession gestellt, daß ihre Annahme einer Unterwerfung gleichkam. Deshalb traf der Mainzer Kurfürst Anselm Kasimir von Wambolt(1629 bis 1647) die nötigen Vorkehrungen, damit seine Hauptstadt einer Belagerung standhalten könne. Er ließ sie mit reichen

1) I. Frohnhäuser, Gustav Adolf und die Schweden in Main⸗z und am Rhein. Archiv f. hess. Geschichte N. F. II S. 1234.